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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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210 | Dinge – Nutzer – Netze Spezialwissens ist das Privileg individualisierter Rezeption ‒ der Flaneur lässt es lust- wandelnd auf sich zukommen, der Detektiv stellt ihm angestrengt nach, aber beide Figuren scheinen keinen rechten Platz mehr zu haben in einer Informationswelt, die auf schnellste Verfügbarkeit und umweglosen Abruf ausgerichtet ist. Jeanneney sorgt sich mit Blick auf Google Books ganz konkret um die Geltung der frankophonen Literatur in der globalisierten Welt. Weil Google erstens zugleich das Mess- und Etablierungswerkzeug einer hierarchischen Ordnung unter kulturellen Inhalten sei und zweitens die Popularität des Populären bestärke, begünstige sein Ausgreifen in die Welt der gedruckten Bücher im kolossalen Maße die Verbreitung englischsprachiger Texte, und damit letztlich auch die der englischen Sprache schlechthin (vgl. ebd.: 6ff.). Da Suchmaschinen durch geschickte mathematische Tricks die Grenze zwischen computer und culture layer überbrücken, müssen sich ihre eigentlich völlig kulturfremden Algorithmen unweigerlich Debatten über ihre kulturellen Implikationen stellen – und damit auch über ihre Rolle in Auseinander- setzungen zwischen privilegiertem und marginalisiertem Wissen sowie den Identitä- ten und Lebensentwürfen, die sich mit diesem verbinden. Letztlich aus reiner Mathe- matik bestehende Software wird zum Abbild von Ideologien und damit implizit po- litisch: In einer Welt, in der Information längst überwiegend digital gespeichert, ver- breitet und abgerufen wird, programmieren Programmierer eben nicht mehr nur Computer, sondern auch die Kulturen, die sich ihrer bedienen. Damit stehen etab- lierte Kulturinstitutionen vor ganz neuen Herausforderungen − und sehen sich mit ganz neuer Konkurrenz konfrontiert. 4.3 ANDRÉ MALRAUX: DAS IMAGINÄRE MUSEUM Die Geschichte des Museums ist, wie das erste Kapitel dieser Arbeit abrissartig dar- stellen konnte, eng verwoben mit gesellschaftspolitischen Visionen und Utopien, die sich durchaus als Programme begreifen lassen: Vor-Schriften des Denkens und der Welterfahrung, die sowohl deren Inhalt als auch ihren Modus betreffen und die das Museum bei seinen Besuchern anregen, kultivieren, verfestigen soll. Von der Ver- mittlung einer vermeintlich göttlichen Ordnung in den Wunderkammern der Früh- neuzeit über die Humbold᾿tschen Musentempel zu den ›emanzipatorischen‹ Ausstel- lungskonzepten der Nachkriegszeit wollten Museen nicht nur ein spezifisches Wis- sen, sondern auch bestimmte Formen und Philosophien des Lernens transportieren. Eine Kontinuität der Museumsgeschichte, die sie nun mit jener der digitalen Medien verbindet, war dabei das Netzwerk als funktionales Leitprinzip. Eine andere, die im- mer noch als Barriere zwischen dem Museum und dem Web steht, ist die Innen-/Au- ßen-Trennung und mit ihr die naturgemäße Beschränktheit aller Sammlungen und
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
Web-Books
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