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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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216 | Dinge – Nutzer – Netze Malraux stellt im Hinblick auf das Imaginäre Museum also ähnliches fest wie Sch- weibenz im Hinblick auf das virtuelle: Die auratischen Aspekte werden dem Infor- mationswert notwendigerweise untergeordnet. Der informative Stellvertreter wird zur eigentlichen kulturellen Größe, das Originalobjekt bleibt als Referenz im Hinter- grund ‒ Konkretes und Abstraktes tauschen die Plätze. Insofern ist natürlich auch die technische Reproduktion musealer Objekte eine Erzeugung von Verkehrsformen. Sie bildet gewissermaßen eine Umkehrung dessen, was Anke te Heesen in der Herstel- lung von Zeitungsausschnitten beobachtet: Während der Zeitungsausschnitt die Ver- stetigung eines industriell erzeugten, schnell verfallenden Massenmediums durch die Autorschaft des Schnittes ist, ist die fotografische Reproduktion vielmehr eine Mo- bilisierung eines einmaligen, raumzeitlich gebundenen und auratisch höchst aufgela- denen Kulturgegenstandes aus der Autorschaft eines Museumskuratoriums hinaus. Schweibenz, der sich stark auf Malraux bezieht (und dabei übrigens mit einer amerikanischen Übersetzung arbeitet, die das Imaginäre Museum in das museum wit- hout walls verwandelt ‒ also bewusst sein Nicht-Abgetrennt-Sein sowohl von der Außenwelt, als auch von einzelnen Sammlungen thematisiert), sieht gerade in dieser ›Entzauberung‹ des Materials die Voraussetzung für die Universalität des Imaginären Museums. Schweibenz interpretiert die Rolle des Museums bei Malraux vor allem dergestalt, dass es den Erhalt der Kunstobjekte gewährleistet ‒ und für diesen Erhalt ist die Ablösung der Dinge aus den historischen Zusammenhängen, die ihren Ur- sprung bilden, nicht etwa ein zu kaschierendes Manko, sondern vielmehr eine ent- scheidende Voraussetzung. Indem das Museum originäre soziale Verortungen des Ausgestellten aufhebt und die Kunstwerke in Räumen miteinander konkurrieren lässt, die letztlich den Gewohnheiten und Erfordernissen der Gegenwart genügen müssen, schafft es erst die Voraussetzungen zu deren Neuinterpretation. Das Mu- seum lässt die raumzeitlichen Distanzen zwischen historischen Einzelsituationen schrumpfen und ermöglicht damit deren (assoziatives) In-Beziehung-Setzen zueinan- der und zu unserer Gegenwart (vgl. Schweibenz 2001: 4f.). Derartige Funktionalitä- ten des Museums sind in der vorliegenden Studie ja bereits herausgearbeitet worden, allerdings sieht Malraux in diesen Darstellungs-Transformationen nicht nur eine spe- zifische Eigenart musealen Präsentierens, sondern summa summarum die entschei- dende Voraussetzung für die historische Beständigkeit der Kunst schlechthin. Das Kunstwerk nach Malraux ist eben nicht zeitlos, sondern lebt ‒ darin liegt die Radika- lität der Malraux᾿schen Kunsttheorie ‒ gerade von seiner ständigen Erneuerung in der Deutung und somit auch von seiner ständigen Loslösung aus Kontexten, die dem gegenwärtigen Publikum fremd geworden sind. Das revolutionäre Potential der Re- produktion in diesem Kulturverständnis ist nach Schweibenz vor allem, dass sie (und hierin mag man eine Unterstreichung der Benjamin᾿schen Thesen von der Zerschla- gung der Aura erkennen) den mystisch-verklärten Historizismus vom Objekt abfallen lässt, der dem Original innerhalb aller Ausstellungskonzepte noch anhaftet, wie ›emanzipatorisch‹ sie auch immer gedacht sein mögen. Die Funktion der Fotografie
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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