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Das Museum von Babel? | 225
Elektronik und Software, die kulturelle Bedeutsamkeiten auf mathematische Koeffi-
zienten herunterbrechen und sie nach deren Maßstab in die Kulturwelt zurückspeisen.
Insofern ist das ›Wesen‹ des virtuellen Museums ein prekäres. Es bildet gewis-
sermaßen immer eine Schnittmenge aus imaginärem Museum und Bibliothek von
Babel ab, in welcher das Spiel der informierten Assoziation von Kulturgegenständen
in Reproduktion sich mit der statistischen Mechanik großer Datenmengen und der
generativen Eigendynamik des Computercodes überlagert. Das Netz ‒ oder genauer
die vielen, oft miteinander konkurrierenden Ordnungsmechanismen, mit denen wir
es erschließbar zu machen versuchen ‒ kann kulturelle Inhalte überhaupt nur als et-
was ›verwalten‹, was sie im Eigentlichen nicht sind: nämlich als rein formallogisch
prozessierbare Bitsequenzen, die mit bestimmten nur in der Semantik des Computers
überhaupt verständlichen Eigenschaften versehen sind. Zwischen diesen rein nume-
rischen Werten und den kulturellen Zusammenhängen zu vermitteln, die sie abbilden
sollen, erfordert nicht nur ganz eigene Formen der Autorschaft, sondern womöglich
gar eine ganz neue Grammatik der Darbietung.
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien