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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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232 | Dinge – Nutzer – Netze Insofern darf auch Aleida Assmanns ›wilde Semiose‹ als eine Form der rhizoma- tischen Sinnstiftung angesehen werden, weil sie eben nicht ein Verstehen vom ›Ast‹ zur ›Wurzel‹ ist, sondern der Versuch des Füllens einer Verständnislücke mit situa- tivem Wissen: Rhizomatisch zu kuratieren, sofern dies überhaupt möglich ist, würde gerade nicht bedeuten, das museale Objekt ›für sich selbst sprechen‹ zu lassen, was Detlev Hoffmann ja sicherlich nicht zu Unrecht als einen nur vermeintlich emanzi- patorischen Irrweg in der Museumspädagogik der 1970er Jahre anprangert (vgl. Hoffmann 1976: 114). Dies würde das definitorische Kriterium des Rhizoms verlet- zen, dem zufolge Rhizome ja keine in cartesischen Koordinaten benennbare Knoten- struktur aufweisen sollen. Rhizomatisches Ausstellen würde es vielmehr erfordern, zwischen Objekten und Museumswänden die Möglichkeit zur Entstehung kommuni- kativer Vektoren zu schaffen, also nicht etwa das Objekt sprechen zu lassen, sondern im »gestimmten Raum« (Korff 2005: 102) die Besucher selbst zum Sprechen zu brin- gen. Es ginge also darum, nicht länger die individuellen Objekte als Sinnträger der Ausstellung aufzufassen, sondern die Plateaus, die nur implizit in laufenden Sprach- handlungen existieren. Wenn aber Besucher dazu aufgerufen würden, einander die Ausstellung zu erklä- ren, dann würden sie damit bereits ein Stück weit in die Schuhe der Kuratoren schlüp- fen, denn deren Aufgabe ist nicht nur das Arrangement von Dingen im Raum, son- dern auch das Entwickeln von Sinnzusammenhängen und nicht selten sehr linearen Erzählungen. Die Relevanz des Rhizoms als Programm für das World Wide Web ergibt sich nicht zuletzt aus der ihm eingeschriebenen Idee und Ideologie einer Teil- habe am Möglichen ‒ nicht umsonst war Gilles Deleuze sowohl Mit-Definator des Rhizoms, als auch der zentrale postmoderne Denker der Virtualität. Damit spielt der Begriff, sowie man ihn auf das Museum bezieht, unweigerlich in einen Bereich, den die Museologie (u.a. im bereits erwähnten Sammelband von Gesser, Hanschin, Jannelli und Lichtensteiger) gemeinhin mit dem Begriff der ›Par- tizipation‹ überschreibt. Partizipation ist, wie Sabine Jank feststellt, immer der Pro- zess, indem sich die Macht im Museumsdispositiv vom Kurator zum Rezipienten verschiebt (vgl. Jank 2001: 148). Diese Feststellung zielt indes in eine ganz andere Richtung als jene David Filkins, dass mit der Museumsvirtualisierung jetzt alle Macht beim User liege (vgl. Filkin 2002: 6). Denn während Filkin vor allem auf die Vielfalt der Angebote blickt, zwischen denen der Nutzer mit wenigen Mausklicks wechseln kann, wenn ihm Inhalte oder Darstellungsformen nicht zusagen, schaut Jank auf Strategien der Publikumsbeteiligung innerhalb individueller, physischer Museen. Sie kommt dabei zu dem einleuchtenden Schluss, dass Kuratorium und In- stitution unweigerlich Kontrolle einbüßen müssen, wenn das Publikum in die Gestal- tung von Ausstellungen eingebunden werden soll (vgl. Jank 2011: 148). Wie Claudia Glass und Beat Gugger anmerken, muss es dabei gar nicht um tatsächliche, physische Mitwirkung gehen. Bei den meisten Debatten über Partizipation im Museum gehe es tatsächlich zunächst einmal um Deutungshoheiten und damit um die Frage, wem es
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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