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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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240 | Dinge – Nutzer – Netze Leserschaft von Texten ohne Autoren reduziert sind, wird das Cybertextsystem lau- fend durch die Entscheidungen seines Lesers mit dessen kulturellem Verständnis ver- koppelt und ist so in einen andauernden Prozess der Kontingenzbewältigung einge- bunden. ›Erfolgreicher‹ Umgang mit einem Cybertext resultiert für Aarseth in »Inti- mität« zwischen Leser und Gelesenem, in einem sinnhaften Abschluss nicht nur eines literarischen Textes, sondern einer ganzen Rezeptionssituation, die vor allem auch den Rezipienten in seiner Wirkmächtigkeit bestätigt, während ›Scheitern‹ einem Ver- laufen, einer narrative Sackgasse, einer Erfahrung ergodischer Ohnmacht entspricht (vgl. ebd.: 4). Die gesamte Idee und Absicht hinter Cybertextsystemen zielt also in eine der pä- dagogischen Programmatik des klassischen Museums völlig entgegengesetzte Rich- tung. Selbst wenn partizipative Ansätze im Zentrum einer Museumskonzeption ste- hen, kann sich eine materielle Ausstellung in einem physischen Gebäude unmöglich spontan um einzelne Besucher herum neu aufstellen. Veränderungen an der physi- schen Beschaffenheit eines Museums sind natürlich möglich ‒ Objekte können um- gestellt werden, aus der Ausstellung in den Fundus oder aus dem Fundus in die Aus- stellung wandern, ja sogar Gebäude lassen sich umbauen ‒ aber derartige Neuauf- stellungen müssen nach den Öffnungszeiten in Abwesenheit der Besucher erfolgen, können eventuell gar längere Schließungen erfordern. Museen können ihre Besucher einbinden und auf sie reagieren, aber ihre Reaktion muss eine verzögerte sein, weil sie voraussetzt, dass Menschen einander verstehen und dieses virtuelle Verständnis dann durch produktive Tätigkeit in der Ausstellung aktualisieren. Auch eine Aufwei- chung der Trennung zwischen Kuratorium und Publikum kann dieser Trennung von Autorschafts- und Rezeptionsmoment keinen Abbruch tun. Der Cybertext nach Aar- seth hingegen greift zwar nicht die Raummetapher des Cyberspace auf, wohl aber seinen zentralen Gedanken: den von einem medialen Milieu, das auf seine ›Bewoh- ner‹ (d.h. die Software-Doppelgänger von Rezipienten) entsprechend ihrer kulturel- len Erwartungen reagiert, ohne dass es dabei von einer menschlichen Autorenpersön- lichkeit betreut werden müsste. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Aarseths Monographie sollten Brin und Page ihr Paper über die Funktionsprinzipien von Google veröffentlichen und da- mit den Weg dahin ebnen, auch das Web als Cybertext rezipierbar zu machen. Denn diese Feststellung muss natürlich vorausgeschickt werden: Per se ist das World Wide Web erst einmal kein solcher. In seiner Infrastruktur aus Hard- und Software ist es zwar ebenso hoch veränderlich wie in seinem logischen Aufbau ‒ genau deshalb be- nötigen wir ja dynamische Such- und Indexierungssysteme wie Google, um es navi- gierbar zu machen ‒ aber seine spezifische und zeitlich wechselhafte Verfasstheit von Inhalten und Verlinkungen wird üblicherweise auf der Produzentenseite generiert, also von jenen Akteuren, die Webseiten und ihre Verknüpfungen untereinander tat- sächlich in HTML und verwandten Auszeichnungssprachen erstellen. Das Web ist in
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
Web-Books
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