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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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248 | Dinge – Nutzer – Netze allem in einer ausgeweiteten Perspektive und einem gewachsenen Selbstbewusstsein dieses Forschungsansatzes begründet: Während Humanities Computing noch weit- gehend als ein weiteres Werkzeug unter vielen im bestehenden Repertoire der Geis- teswissenschaften konzipiert war und sich im Ansatz sehr bestimmt auf die Nutzung des Computers zur Beherrschbarmachung von Texten konzentrierte, wollten die Di- gital Humanities das Potential des Computereinsatzes in der geisteswissenschaftli- chen Forschung sehr viel umfassender in Augenschein nehmen ‒ gegebenenfalls bis hin zum völligen Umdenken über Funktion, Rolle und Auftrag der eigenen Disziplin in der digitalisierten Welt (vgl. Schreibman, Siemens u. Unsworth 2004; vgl. Nie- werth 2013: 4). Dementsprechend sind die Digital Humanities getragen von einer doppelten Ein- sicht: Nämlich erstens jener, dass der wissenschaftliche Umgang mit einer digitali- sierten Kultur auch digitaler Methoden bedarf, und zweitens jener, dass die Methoden einer Wissenschaft niemals nur Werkzeuge sind, die nicht auf ihren Nutzer zurück- wirken, sondern vielmehr die Struktur jedweder wissenschaftlichen Erkenntnis vorab mitbestimmen. Diese beiden Einsichten erschöpfen sich indes nicht in ihrer Bedeu- tung für die geisteswissenschaftliche Forschung, weil sie darüber hinaus auf einen Tatbestand von noch umfassenderer Bedeutung verweisen, welcher in Malrauxs Konzeption des Imaginären Museum bereits anklingt: Die Reproduktion kultureller Inhalte ist niemals nur ein Prozess der Vervielfältigung und Kopistik, sondern not- wendigerweise immer auch einer der Transformation. Der transformative Charakter der Reproduktionen liegt darin begründet, dass anhand ihrer andere Formen der Re- zeption möglich werden, als die Originale sie erlauben. Der Buchdruck befreite die Literatur aus den Bibliotheken von Adel und Klerus und ermöglichte ihre Rezeption in bürgerlichen Settings, die mechanische Fotografie nach Malraux befreite die Kunst aus den Museen und Galerien, durchspülte die Alltagswelt mit ihr und hob virtuell die Voneinander-Geschiedenheit der Einzelobjekte auf. In beiden Fällen ›verändern‹ sich die kulturellen Ursprungsobjekte unwiederbringlich. Die von neuen Medien- techniken ermöglichten Verkehrsformen bereits bestehender kultureller Inhalte ope- rieren nicht folgenlos innerhalb bestehender Dispositive, sondern verändern das Ge- füge kulturellen Verstehens insgesamt: Nie wieder wird ein Mensch das Alte Testa- ment so lesen können, wie es ein katholischer Geistlicher vor Luther und Gutenberg vermochte, und nie wieder werden wir die Mona Lisa mit den Augen eines Menschen sehen können, für den sie nur im Louvre existierte. Jedoch hat die analoge Reproduk- tion eines niemals angetastet: Die völlige Verortung kultureller Objekte innerhalb der Kulturwelt. Ein Foto der Erschaffung Adams aus dem Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle ist natürlich nicht identisch mit dem Deckenfresko selbst, aber auch auf der glänzenden Oberfläche eines Polaroids bleibt es ein Bild, das nur in kulturellen Zu- sammenhängen gelesen werden kann ‒ nämlich zum einen als das Abbild eines be- rühmten Kunstwerkes, und zum anderen als eine Darstellung der biblischen Schöp- fungsgeschichte. Unser erlerntes Sehen und Deuten erlaubt es uns überhaupt nicht,
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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