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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 275 erstmals im vereinigten Königreich eingeführt und aufgrund seiner niedrigen Kosten innerhalb eines Jahres an über 100 Museen in Betrieb genommen wurde, ließ inner- halb seiner Datenstruktur nur 254 Eintragsfelder zu. Diese Zahl orientierte sich weder an den Bedürfnissen von Kuratoren, noch war sie ein funktionaler Kompromiss sei- tens der Programmierer. Vielmehr war sie die Ausreizung der Möglichkeiten einer 8- Bit-Prozessorarchitektur, deren formales System nur 28=256 Zustände darstellen kann. Die Software orientierte sich also nicht vorrangig am musealen Betrieb, für den sie gemacht war, sondern an den harten, technischen Grenzen, die ihr von der Hard- ware gesetzt wurden ‒ und die menschlichen Museumsschaffenden mussten ihr Bild von den eigenen Exponaten letztlich dem anpassen, was das neue System ihnen von deren Eigenschaften zu erfassen und zu verzeichnen gestattete (vgl. ebd.: 46ff.). 6.3.3 Grenzen der Kategorisierbarkeit Kurz nach der Markteinführung von MODES schrieb David W. Scott vom Washing- toner National Museum of American History einen Bericht über den Einsatz von di- gitalen Datenbanken in Museen und stellte dabei die Kategorisierung als eines der größten Probleme bei der Erfassung von Sammlungen in den Vordergrund. Sein Text, der bezeichnenderweise im bibliothekswissenschaftlichen Fachjournal Library Trends erschien, betont wie Parry das Problem, dass Museumsdinge (und insbeson- dere Kunstgegenstände) sich nur sehr schwer klassifizieren ließen. Zwar könne man sie nach Entstehungsort, Epoche, Künstler und anderen Faktoren erfassen, doch dies sei letztlich nur eine Ausschilderung des Datensatzes mit äußeren Merkmalen, die am ›Eigentlichen‹ des Gegenstandes vorbeigehe (vgl. Scott 1988: 132). Die von Wil- liam Paisley 1968 ersonnene Zukunftsvision von einer musealen Universaldaten- bank, in der man nur nach dem Wort ›Segelschiff‹ suchen müssen sollte, um alle auf Segelschiffe beziehbaren Objekte in allen Sammlungen der Welt auszuspüren, for- derte hingegen etwas sehr viel Spezifischeres ein: Nämlich eine Klassifizierung und Kategorisierung der Darstellungsebene, die letztlich nicht weniger bedeuten müsste als die Diskretierung von kontinuierlichen, materiellen Gegenständen in eine Art ›Zeichen-Sprache‹, wie sie als Vorstellung im Zentrum der Bense᾿schen Informati- onsästhetik steht. Dass Paisleys Idee trotz mittlerweile ubiquitärer Verwendung digi- taler Verwaltungstechnologien im Museumsalltag auch zwanzig Jahre später noch ihrer Verwirklichung harrte, schreibt Scott vor diesem Hintergrund gleichermaßen logistischen wie methodischen Faktoren zu. Klassische Registereinträge wie eben Autor, Entstehungsdatum, Größe, Material usw. sind relativ leicht auf eine einheitli- che Formatierung zu fixieren ‒ und zugleich nicht ungemein hilfreich bei der Suche nach konkreten Objekten. Innere Merkmale sind hierzu hingegen enorm nützlich ‒ aber kaum zu standardisieren (vgl. ebd.: 137). Bei Kunstwerken dürfte es wohl noch am einfachsten sein, auf der Darstellungsebene konkrete Sujets zu beschreiben. So
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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