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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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280 | Dinge – Nutzer – Netze Während Suzanne Keene noch keine ›Verwandtschaft‹ zwischen den mehrdi- mensional navigierbaren Ausstellungsräumen des Museums und digitalen Hyper- und Cybertextsystemen des WWW erkennt, schreibt auch sie die Geschichte des Ein- zugs von Computern in die Arbeitsabläufe der (vornehmlich angelsächsischen) Mu- seen nicht als eine des Umbruchs, sondern reiht sie in Kontinuitäten ein. Für Keene ist in diesem Zusammenhang die ›Multimedialität‹ des Museums entscheidend. Das Museum sei als eine Einrichtung, die immer schon unterschiedliche mediale Aus- drucksformen miteinander konfrontiert hat, in besonderem Maße dazu geeignet, auch neue Informationstechnologien zu integrieren (vgl. Keene 1998: 16). Überhaupt habe das Informationszeitalter (das Keene als jene Epoche definiert, in der nach ›Land‹ und ›Energie‹ nunmehr ›Information‹ zur Basis des ökonomischen Lebens geworden sei) in den Kulturbetrieb schon weitaus tiefer eingegriffen als in viele andere Wirt- schaftszweige, gerade weil dieser vorwiegend nicht mit konkreten materiellen Gü- tern, sondern mit abstrakten Inhalten umgeht. Schon im Januar 1995 identifizierte das Wall Street Journal den Handel mit digitalen Reproduktionsrechten nicht nur als eines der größten Segmente des Kunstmarktes, sondern vor allem auch als das am schnellsten wachsende (vgl. ebd.: 7). Für die Museen wiederum seien digitale Medien vor der Jahrtausendwende vor allem aus zwei Gründen interessant gewesen: Der erste von Keene benannte Aspekt ist die Tatsache, dass es auf der Basis von Hypertextsystemen Museen erstmals ermöglicht wurde, nicht nur Dinge, sondern auch ihre Bedeutungen und wechselseitigen Bezüglichkeiten explizit aufzubewahren. Museen haben zwar immer schon Sinn geschaffen und bewahrt, aber dieser Sinn ist in der physischen Ausstellung ein impliziter, verborgen in der Anordnung der Dinge im Raum ebenso wie in den Akten, Registern und Katalogen der Verwaltung und natürlich in den Köpfen von Besuchern und Kuratoren. Die Digitalisierung der Sammlungsverwaltung habe erstmals die Informationsebene gleichberechtigt neben die Materialebene gestellt und eine Schicht der Ausstellungskonzeption über die exis- tierende kuratorische Arbeit gelegt, auf welcher Exponate bar aller Materialität als reine Bedeutungsbausteine zirkulieren (vgl. ebd.: 1f.). Der zweite Aspekt ist die Wie- derverwertbarkeit digitalen Datenmaterials, die in den Zettelkästen des 19. Jahrhun- derts bereits anklang: Einmal erstellte digitale Multimedia-Inhalte sind im Gegensatz zu materiellen Originalobjekten nicht an einen einzigen Ausstellungskontext gebun- den, sondern lassen sich gleichzeitig für mehrere Projekte gebrauchen ‒ und im Ge- gensatz zur physischen Karteikarte fast ohne Aufwand beliebig oft reproduzieren (vgl. ebd.: 15). Nun ist allerdings die Heranziehung von digitaler Technik für die innere Verwal- tung einer physischen Sammlung für und durch die Kuratoren kategorisch verschie- den von der Erstellung einer virtuellen, sich an eine Öffentlichkeit richtenden Aus- stellung aus digitalen Reproduktionen von physischen Museumsdingen. Eine bloße administrative Objektdatenbank muss weder einem Verlangen nach Erlebnisqualität,
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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