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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 285 schließen lässt wie jener, der das Authentizitätserlebnis im physischen Museum er- möglicht. Obwohl Friedrich Waidacher in seiner Kritik am Konzept ›virtuelles Mu- seum‹ nicht in die Tiefen der Theorie digitaler Medien hinabsteigt, wird seine Fest- stellung, Virtualisierung sei »Verschiebung vom Sein in den Schein« (Waidacher 2000: 7) genau an dieser Stelle brisant. Denn wie im dritten Kapitel dieser Studie ausgeführt wurde, ist auch das physische Ding in seiner Eigenschaft als Objekt der Wahrnehmung und des Wissens durchaus kein vorgefundenes Naturphänomen, son- dern ein kognitives Konstrukt und somit immer zumindest teilweise ebenfalls in der Domäne des ›Scheins‹ beheimatet. Auch das physische Museum mit seinen unzwei- felhaft präsenten, materiellen Exponaten ist vor diesem Sachverhalt nicht gefeit ‒ tatsächlich ist es sogar hochgradig von ihm abhängig, inszeniert es doch Dinge als etwas, das sie eben nicht aus ihrer bloßen Körperlichkeit heraus sind. Es wurde ferner auch bereits abgehandelt, dass Kopien in zahlreichen Museumskonzeptionen durch- aus eine wichtige und exponierte Rolle spielen. Museen sind Orte der Virtualität und durchaus keine Tempel des ›Seins‹. Sie erfüllen vielmehr eine Scharnierfunktion zwi- schen Sein und Schein ‒ und aus diesem Grunde erscheint es allzu billig, das virtuelle Museum als legitime Erscheinungsform der Institution Museum so schlank abzuwie- geln, wie es Waidacher tut. Die ›Rolle‹ des Museumsdings ist eine Verkehrsform materieller Gegenstände, die vom Museumsdispositiv erzeugt wird, und die Kategorie des Authentischen ist sowohl Eigenart und Effekt als auch diskursive Voraussetzung dieser Verkehrsform. Musealität ist schlechterdings ein virtuelles Phänomen, und ob digitale Reproduktio- nen museal zu präsentieren sind, hängt demnach davon ab, ob Digitalität und Muse- alität vereinbar sind, und das heißt letztlich: ob digitale Objekte eine Verkehrsform annehmen können, die das Publikum als ›museal‹ zu akzeptieren bereit ist. Das phy- sische Museum verbrieft dem Besucher den Sachverhalt, dass seine Ausstellungsstü- cke historische Originale sind ‒ das virtuelle müsste ihm minimal (und kann ihm maximal) verbürgen, dass seine virtuellen Exponate in direkter reproduktiver Ab- kunft von solchen Originalen stehen. Interessanterweise geht es hier in beiden Fällen um die Garantie einer Qualität, welche die betreffenden Objekte nicht aus sich selbst heraus leisten können. 6.4.2 Authentische Software Dabei ist die Vorstellung von Authentizität gerade im Zusammenhang mit digitalen Medien von großer Wichtigkeit, und zwar nicht nur obwohl, sondern gerade weil Software wesentlich Kopie ist. Dies zeigt sich wohl am offensichtlichsten in der Rede von ›Raub‹-Kopien. Auf der Homepage von Microsoft werden z.B. ausführliche In- formationen darüber bereitgestellt, woran sich ›originale‹ Microsoft-Datenträger von
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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