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306 | Dinge – Nutzer – Netze
Im Wesen dieses Vernetzungsgedankens (der interessanterweise gar nicht auf die
Netzhaftigkeit von Ausstellungen selbst bezogen wird) ist für Anderson angelegt,
dass das Museum sich nicht auf die Vermittlung von eng eingegrenzten historischen
Sachverhalten und Narrativen oder auch von ästhetischer Herzensbildung beschrän-
ken dürfe. Vielmehr gelte es, die Voraussetzungen für den Erwerb von Wissen selbst
zu thematisieren und Museen zu Orten zu machen, an denen das Publikum zu lernen
lernt. Zu diesem Zweck müsse es die Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen
suchen und es sich zur Aufgabe machen, seine Besucher mit jenen Fähigkeiten aus-
zustatten, die sie zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft benötigen (vgl. ebd.). Be-
zeichnend ist dabei die Art, auf die Anderson diese Überlegungen an den Phänomen-
bereich Digitalisierung zurückbindet. Seiner Ansicht nach ist nämlich für den Erfolg
der Institution Museum im Umgang mit dem Web nicht die Gestaltung von Muse-
umshomepages im Hinblick auf Suchalgorithmen oder die Abgrenzung von anderen
Webangeboten entscheidend. Solche Strategien wiesen letztlich auf die antiquierten
Ausstellungsprinzipien der Objektfokussierung zurück, die das Museum nur aus sei-
ner eigenen Warte zu konzipieren wussten. Viel wichtiger sei die Frage, was das
Publikum in Zeiten einer digitalisierten Wissensexplosion vom Museum braucht.
Dieses ›Brauchen‹ ist dabei durchaus pädagogisch zu verstehen und nicht identisch
mit dem ›Wollen‹, wie es Suchmaschinen bedienen. Auch Anderson will dem Publi-
kum etwas vermitteln, es erziehen. Anders als in der klassischen Museumsdidaktik
geht es ihm dabei allerdings nicht nur um die Inhalte und Gegenstände der Ausstel-
lung, sondern um das intellektuelle Handwerkszeug, um sich in virtuellen Wissens-
landschaften zurecht zu finden:
It is often said that the new digital technologies are, or could be, a force for democratic change
in society. But it is not the technologies themselves, or information, that will do this, but the
development of the skills and opportunities that people need if they are to participate in cultural
life of communities, that will provide the democratic foundations for use of new media. Our
society does not, and will not, need more information. What it does need is to learn to use
digital cultural resources creatively, and to ensure that this opportunity is open to groups that
the market alone cannot reach. It is here that the real responsibilities of any publicity-funded
museum lie. This is a much more demanding – and intellectually challenging – task than simply
churning out existing object data. It is also a function that museums – like flightless birds on
remote islands, isolated from evolutionary change – are currently ill-equipped, as a result of
their neglect of their educational responsibilities, to deliver. (Ebd.)
Dieser letzte Satz führt uns zurück zu der in Kapitel 6.1 gemachten Feststellung, dass
Museum und Web bei allen Ähnlichkeiten in ihrer Verfasstheit als Vernetzungssys-
teme sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit Offenheit und Vieldeutigkeit
verfolgen. Ein museales Paradigma der Belehrung und Erziehung, getragen von star-
ken kuratorischen Autorschaften, produziert womöglich einen Rezipienten, der zwar
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien