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Fallstudien | 327
7.2 VIRTUELLE AUSSTELLUNGEN,
DISTRIBUIERTE SAMMLUNGEN
Das ›absolute‹ Museum und die Aufhebung der Trennung sowohl zwischen allen
musealen Sammlungsbeständen, als aber auch zwischen den Museen als Institutionen
und der sie umgebenden Umwelt ist im Verlauf dieser Studie wiederholt als ein in
der Fachliteratur immer wieder auftauchendes, finales Szenario der Museumsvirtua-
lisierung diskutiert worden. Als kulturpädagogisches Gedankenspiel und Phantasma
ist dieses hypothetische virtuelle Weltmuseum für seine Befürworter und Feinde
gleichermaßen zum Bezugspunkt von Diskussionen geworden – und Didaktiken der
Museumsvirtualisierung werden von beiden Lagern um die Vorstellung von seiner
grundsätzlichen Machbarkeit herum konzipiert. Insofern braucht das Museum von
Babel keinen tatsächlichen Bestand zu haben, um eine beständige Tatsache darzu-
stellen: Wer über Museumsvirtualisierung spricht, der spricht unweigerlich auch über
Momente der Auflösung und Neukonfiguration in der kulturellen Verortung von
Sammlungsbeständen.
Dieser spekulativen Phantasmatik gegenüber steht indes eine Praxis der tatsäch-
lichen Vernetzung von Einzelsammlungen, die Virtualisierung nicht prognostizieren,
sondern gestalten will. Hinter schwammigen Hoffnungen und Ängsten in Bezug auf
die Museumspädagogik der virtualisierten Zukunft stehen Unternehmungen, die
technisch, politisch, pädagogisch und ökonomisch in Umsetzung begriffen sind. Die-
ses Unterkapitel möchte sich vier professionellen Projekten widmen, die ›meta-mu-
seale‹ Ziele verfolgen, dabei aber zugleich zwischen den Wünschen von Publikum
und Erinnerungseinrichtungen vermitteln wollen. Das Lebendige Museum Online
wird von verschiedenen deutschen Museen und Archiven als gemeinsame Präsenta-
tionsplattform betrieben; das Virtual Museum of Canada will vornehmlich kanadi-
schen Regionalmuseen einen zentralen Raum für virtuelle Ausstellungen zur Verfü-
gung stellen; Europeana strebt die Verfügbarmachung des gesamten europäischen
Kulturerbes nicht nur zur Betrachtung, sondern auch zur Weiterverwertung durch je-
dermann an – und das Google Art Project schließlich will in einer Kooperation zwi-
schen Google und über 250 Museen big data mit high culture zusammenführen.
7.2.1 Lebendiges Museum Online (www.dhm.de/lemo)
Das Lebendige Museum Online ist eine bereits 1998 begonnene (und in seiner gegen-
wärtigen Form im Herbst 2014 neu gestartete) Kooperation zwischen der Stiftung
Deutsches Historisches Museum (Berlin), der Stiftung Haus der Geschichte der Bun-
desrepublik Deutschland (Bonn) und des Bundesarchivs (Koblenz). Beheimatet unter
der Domain des Deutschen Historischen Museums (www.dhm.de), steht das LeMO
nach eigener Aussage im Zeichen der Absicht, Exponate und Archivalien aus den
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien