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layer sind laut der Strategy 2020 die Anpassung von Programmfunktionen an die aus
der IP-Adresse erkennbare geolocation des Anwenders und damit verbunden die
Mehrsprachigkeit sämtlicher Interfaces.71
Über die Software hinaus besteht die Zugriffsebene aber auch aus Dienstleis-
tungsaspekten. Europeana verspricht klare und transparente Richtlinien für die Nut-
zung vorhandenen Datenmaterials ebenso wie ein möglichst effizientes System zur
Lizensierung urheberrechtlich geschützter Inhalte. Vor allem aber verschreibt sich
das Projekt ausdrücklich der Idee von linked open data ‒ also Daten, die sowohl ver-
linkt bzw. verlinkbar, als auch rechtlich zur Nutzung durch jedermann freigegeben
sind. Europeana begreift sich insofern nicht als ein kuratiertes Ausstellungsformat ‒
dies wäre ja auch gar nicht vereinbar mit dem Anspruch, ein Repertorium für die
Gesamtheit des europäischen Kulturerbes in all seinen Erscheinungsformen zu sein.
Stattdessen sieht sich Europeana in der Rolle einer digitalen Schatzkammer, aus der
sich Kulturschaffende jeder Couleur bedienen können. Die Strategy 2020 benennt
hier drei Zielgruppen: Die erste bilden die professionals ‒ womit all jene gemeint
sind, die im unmittelbaren Umfeld von Einrichtungen arbeiten, die für Europeana
relevantes Material betreifen. Die zweite Gruppe sind die end users als Rezipienten
mit teilweise sehr speziellen, nach narrowcasting verlangenden Interessenlagen.
Diese Nutzergruppe greift entweder direkt auf Europeana zu, oder sie nimmt den
Umweg über Dienste, die ihrerseits Europeana-Ressourcen nutzen (wie z.B. Such-
maschinen, Wikipedia oder Pinterest). Endnutzer möchten außerdem oft imstande
sein, Inhalte in sozialen Netzwerken zu teilen. Die letzte Zielgruppe sind die creati-
ves. Europeana will hiermit gezielt die sog. ›Kreativindustrien‹ ansprechen, die mitt-
lerweile 3,3 % des europäischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen ‒ mit dem er-
klärten Ziel, sowohl diesen Wirtschaftszweig als auch den Tourismus zu stärken. Bei-
spiele für ›Kreative‹ wären u.a. App-Entwickler und Webdesigner, aber grundsätz-
lich auch die wissenschaftliche Forschung und jeder andere User, der Europeana-
Inhalte mit Mehrwert weiterverwendet.72
Europeana, so bekennt die Strategy 2020, verfüge nicht über die nötige finanzi-
elle und personelle Ausstattung, um gleichzeitig »broad and deep« zu sein.73 Man
wolle deshalb zum »Inkubator« für Ideen und Konzepte von Kulturvermittlung wer-
den, und die Stiftung von ›Tiefe‹ den hoffentlich zahlreichen Einzelprojekten zu
überlassen, die sich am Schatz vorhandener Digitalisate bedienen und sie in die
connectedness ihrer eigenen Interessenbereiche verspinnen:
Making high quality material available under favourable conditions is a great start, but it is not
enough when you operate in an innovative space where demand is not yet fully established.
71 Vgl. ebd.
72 Vgl. ebd.
73 Ebd.
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien