Page - 360 - in Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Image of the Page - 360 -
Text of the Page - 360 -
360 | Dinge – Nutzer – Netze
7.3.1 Das 8bit-Museum (www.8bit-museum.de)
Das 1998 ins Leben gerufene 8bit-Museum ist das virtuelle Abbild der mehr als 700
Objekte umfassenden privaten Computersammlung des Bottroper Informatikers Ste-
phan Slabihoud. Nach eigener Aussage sind Sammlung und Webauftritt aus rein hob-
byistischer Begeisterung für obsolete Computertechnik entstanden. Der Betreiber
schreibt hierzu:
Ich habe 1981 mit einem ZX81 angefangen zu programmieren. Ein Jahr später stand dann ein
ZX-Spectrum auf dem Tisch. Während meiner Schulzeit habe ich zuerst einen CBM 8000 ken-
nengelernt, später standen dann VC20 und C64 in dem (damals kleinen) Computerraum. 1986
legte ich mir dann stolz einen Atari 260ST zu, dem folgte drei Jahre später ein Atari TT. Ir-
gendwann 1993/94 habe ich die Rechner wieder aus dem Keller geholt, gereinigt, überholt und
in eine Vitrine gestellt. Ab da kamen dann hin und wieder weitere Geräte hinzu. So richtig zu
wachsen begann die Sammlung aber erst mit der Eröffnung des 8Bit-Museums im Web.106
Interessanterweise ist hier also der typische Werdegang virtueller Museen auf den
Kopf gestellt: Nicht die Sammlung ist der virtuellen Präsentation vorausgegangen,
sondern das bereits begonnene virtuelle Museumsprojekt ist zum Motivator für eine
Sammeltätigkeit geworden. Dabei muss gefragt werden, inwieweit man Herrn
Slabihoud im Hinblick auf den Sammlungsgegenstand überhaupt als ›Amateur‹ be-
zeichnen darf: Als Programmierer hat er seit Mitte der 1980er Jahre Software für
zahlreiche der vom 8Bit-Museum ausgestellten Systeme entwickelt und in Artikel in
Computerzeitschriften veröffentlicht, die er z.T. über die Webseite zum Download
anbietet.107
Diese gliedert ihren Ausstellungsgegenstand in zwei Hauptgebiete: Unter der
Überschrift The Number Crunchers werden Heimcomputer, Peripheriegeräte und
verwandte Hardware präsentiert, während die Rubrik The Dot Eaters die Geschichte
der Computerspiele thematisiert ‒ letzteres in Kooperation mit der ebenfalls privaten
englischsprachigen Partnerhomepage www.thedoteaters.com. Number Crunchers
bilden dabei erkennbar den Schwerpunkt der virtuellen Ausstellung, und über die
dokumentarische Tätigkeit hinaus sucht das 8bit-Museum auf verschiedenen Ebenen
den Austausch mit privaten Hobbyisten und Sammlern unterschiedlichster Couleur:
Der Betreiber bittet ausdrücklich um Kontaktaufnahme durch Besucher, die muse-
umsrelevante Heimcomputer spenden, verkaufen oder gegen ein anderes Gerät ein-
tauschen möchten108. Eine auf Deutsch und Englisch geführte Liste führt zu diesem
106 Vgl. http://8bit-museum.de/internes/fragen-antworten-faq/ vom 12.11.2015.
107 Vgl. http://8bit-museum.de/internes/veroeffentlichungen/ vom 12.11.2015.
108 Vgl. http://8bit-museum.de/internes/spenden-ankauf-von-geraten/ vom 12.11.2015.
back to the
book Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen"
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien