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vierzig Gemälde – mit Ausnahme der Boats, von denen nur 26 vorhanden sind – so
dass die Ausstellung insgesamt aus 226 Gemälden besteht. Daten zu den einzelnen
Objekten liegen nicht vor – was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass sie als Funde
aus Second-Hand-Läden keinerlei Herkunftsdokumentation besitzen und meist we-
der Titel noch Schöpfer bekannt sind. Darüber hinausreichende technische Angaben
wie Größe, Material usw. hat Beshid offenbar als für Verständnis und Deutung der
Objekte unerheblich befunden. Jede der sechs Galerieseiten besteht aus drei Haupt-
segmenten: Am oberen Rand steht eine Überschrift mit zwei erläuternden Sätzen,
darunter befindet sich links ein Feld mit Miniaturabbildungen aller enthaltenen Ob-
jekte, rechts daneben wird vergrößert das Bild angezeigt, über das der Nutzer den
Mauscursor bewegt.
Die ausgestellten Bilder bestechen im Allgemeinen durch nichts außer der Ama-
teurhaftigkeit ihrer Ausführung und der Naivität in der Darstellung: Die Kategorie
Animals enthält springende Delfine, Hirsche in Berglandschaften, Elefanten an Was-
serlöchern und Tiger, die aus dem Dschungeldickicht hervorlugen.147 Pets zeigt vor
allem Hunde und Katzen, meist in sitzender Pose, häufig mit leicht verzogener Pro-
portion und Perspektive.148 Die Portraits sind Darstellungen meist unbekannter Men-
schen (die einzige Ausnahme bildet eine Nachahmung von Gilbert Stuarts 1797 an-
gefertigtem Porträt George Washingtons) und weisen vor allem eine große ethnische
Vielfalt auf.149 Die Kategorie Western besteht aus Prairieszenen, Cowboys zu Pferd
und zu Fuß, ebensolchen Indianern (mitunter weinend) und Landschaftsbildern mit
Grenzsiedlungen sowie Tipis und Wigwams.150 Unter Landscapes finden sich sowohl
offensichtlich amerikanische Landschafts- und Stadtkulissen als aber auch Darstel-
lungen unbestimmter und fiktiver Orte. Perspektivische Fehler finden sich hier in
nahezu allen Werken.151 Die Boats zuletzt treten überwiegend als Darstellungen von
Segelschiffen in Erscheinung, allerdings sind auch einige Hafenszenen, Mississippi-
Raddampfer und Ruderboote vorhanden.152
Nahezu die komplette Sammlung Beshids fällt in den Bereich des dekorativen
Kitsches und würde in der Alltagswelt sehr wahrscheinlich vollkommen unterhalb
der Wahrnehmungsschwelle der meisten Betrachter verbleiben. Das MoF spielt in-
sofern ein Spiel mit unserem Blick und den kulturellen Konventionen, die ihn nor-
malerweise lenken würden. Indem es vermeintlichen ›Schund‹ zum musealen Expo-
nat macht, zwingt es uns, diesen zuallermindest scherzhaft als solches zu betrachten
147 Vgl. http://www.museumoffred.com/animals.html vom 15.11.2015.
148 Vgl. http://www.museumoffred.com/pets.html vom 15.11.2015.
149 Vgl. http://www.museumoffred.com/portraits.html vom 15.11.2015.
150 Vgl. http://www.museumoffred.com/western.html vom 15.11.2015.
151 Vgl. http://www.museumoffred.com/landscapes.html vom 15.11.2015.
152 Vgl. http://www.museumoffred.com/boats.html vom 15.11.2015.
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien