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378 | Dinge – Nutzer – Netze
möge eines Tages mit derselben Wertschätzung auf das Internet Archive blicken, die
sie heute ihren öffentlichen Bibliotheken entgegenbringt.183
Über diese politischen Implikationen hinaus ist archive.org aber auch akademi-
schen Interessenlagen verschrieben. Das Internet zu erhalten sei notwendig, um seine
technische und ästhetische Entwicklung nachvollziehen zu können – und den Ein-
fluss, den es auf die Welt ausübt, in der es kommunikativ genutzt wird. Das Web, so
die Prämisse, schreibe sich unserer Kultur auf zahllosen Ebenen ein und verändere
nicht zuletzt unsere Sprache und Wirtschaftsordnungen. Vor diesen Hintergrund soll
das Internet Archive es Forschern ermöglichen, herauszuarbeiten, was das Netz »uns
über uns selbst erzählt«.184
Insofern folgt das Angebot der Netzlogik digitaler Medien und damit tatsächlich
einem eher musealen als einem archivarischen Auftrag. Allerdings bedient sich auch
das Internet Archive zunächst einer kategorial sortierten Kopfleiste, um die Samm-
lung erschließbar zu machen. Die sechs durch Symbole ausgewiesenen Oberbereiche
sind hier Web (diese Rubrik wird noch gesondert zu diskutieren sein), Texts, Video,
Audio, Software und Image. Jede dieser Rubriken (mit der Ausnahme von Web) kann
auf drei Arten durchsucht werden: über eine Textsuche mit Eingabefeld, eine alpha-
betische Liste von Schlagworten und Sprachen, oder über individuelle ›Sammlun-
gen‹. Die Sammlungen werden auch hier in Kachelform angezeigt: Jede Kachel ent-
hält den Namen der entsprechenden Sammlung, eine Angabe zur Anzahl der in der
Sammlung enthaltenen Items sowie in einigen Fällen eine kleine Illustration. Die Ka-
cheln lassen sich nach Anzahl der Ansichten, Veröffentlichungsdatum, Titel und Na-
men ihrer Sammlungs-›Kuratoren‹ jeweils auf- oder absteigend sortieren.
Bei vielen dieser Sammlungen handelt es sich um Zusammenstellungen von Ob-
jekten, Texten oder Bildern aus physischen Einrichtungen, die mit Archive.org ko-
operieren. So findet man unter Texts zum Beispiel Zusammenstellungen von Digita-
lisaten aus den Bibliotheken der Duke University in Durham (North Carolina) oder
aus der San Francisco Library.185 Die Rubrik Images präsentiert unter anderem Re-
produktionen aus den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art und des
Brooklyn Museum,186 während unter Video aktuelles Bildmaterial der NASA zu finden
ist.187 Während einzelne Bereiche anbieterseitig kuratiert sind und die Kopfleiste zu
jeder Rubrik Features ausweist (z.B. Animation & Cartoons im Bereich Video oder
Children᾿s Library im Bereich Texts), wird ein beträchtlicher Teil des Angebotes von
Anwendern zusammengetragen und organisiert. In jedem der fünf auf diese Weise
organisierten Sammlungsbereiche gibt es eine Community-Sammlung, welche alle
183 Vgl. ebd.
184 Ebd.
185 Vgl. https://archive.org/details/texts?&sort=-downloads&page=2 vom 02.01.2016.
186 Vgl. https://archive.org/details/image vom 02.01.2016.
187 Vgl. https://archive.org/details/movies vom 02.01.2016.
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien