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Fallstudien | 383
verwendbar sein. Den Namen Pinterest erhielt die neue Software am Erntedankfest
2009 von Silbermanns Lebensgefährtin (vgl. ebd.).
Im Juni 2015 beschrieb Ben Silbermann Pinterest anlässlich der vom Wirt-
schaftsmagazin Fortune ausgerichteten Fortune Brainstorm Tech-Messe nicht länger
als ein soziales Netzwerk, sondern vielmehr als einen »catalog of ideas« (Nusca
2015). Der Dienst unterscheide sich von Facebook, Twitter und Konsorten vor allem
in seiner Adressatenstruktur. Wo diese ihren Nutzern nämlich eine Plattform böten,
Inhalte zum ›liken‹ durch andere Anwender feilzubieten, sei Pinterest vor allem auf
die eigenen Bedürfnisse des individuellen Nutzers ausgerichtet, dem es die für ihn
jeweils ›richtigen‹ Ideen zuzuführen hieße: »Our hope is that when we show you the
right idea, you go out and do that thing« (ebd.). Zum Zeitpunkt dieser Statements
beschäftigte Pinterest über 500 Mitarbeiter und war mit einem geschätzten Wert von
11 Milliarden US-Dollar eines der bestfinanzierten Technologie-Startups der Welt
(vgl. ebd.).
Dabei ist die Funktionalität der Webseite grundsätzlich eine recht unspektakuläre.
Pinterest erfordert zunächst eine Registrierung – für Surfer ohne eigenes Nutzerkonto
ist die Webpräsenz nicht einsehbar.195 Wer sich für ein kostenloses Nutzerkonto ent-
scheidet, der darf – wie der Name schon sagt – virtuelle Pinnwände anlegen, auf de-
nen virtuelle Fundstücke gesammelt werden können. Gängige Praxis (allerdings nicht
etwa Vorschrift) ist, dass Nutzer einzelne Pinnwände themenspezifisch kuratieren.
Pinterest verfügt dabei über eine für soziale Netzwerke sehr untypische Nutzerde-
mographie: Von über 10 Millionen registrierten Anwendern im Jahre 2012 waren
mehr als 80 % weiblich, und die größte Altersgruppe unter den Nutzern war die im
Bereich von 25 bis 34 Lebensjahren, die ein gutes Drittel der Gesamt-›Bevölkerung‹
stellte. Als die verbreitetsten Pinnwand- bzw. board-Themen unter amerikanischen
Nutzern wurden dabei die Bereiche ›crafts‹, ›gifts‹, ›hobbies/leisure‹, ›interior de-
sign‹ sowie ›fashion designers/collections‹ identifiziert. Während das amerikanische
Publikum materielle Objekte und Tätigkeiten ins Zentrum seiner Pinterest-Erfahrung
stellte, nutzten britische Anwender die Plattform zum Austausch von Informationen
über abstraktere Interessengebiete: Während auch hier die ›crafts‹ prominent auf-
tauchten, waren andere ›trendende‹ Themenfelder ›venture capital‹, ›web analytics‹
und ›marketing‹ (vgl. Crook 2012).
Pinterest-User können nicht nur ihre eigenen boards gestalten, sondern auch de-
nen anderer Nutzer folgen und so über deren neueste ›Exponate‹ informiert werden.
Hierzu stehen ihnen zwei wichtige Werkzeuge zur Verfügung: der Pin und der Repin.
Ein Pin ist die Erstellung eines genuin neuen Ausstellungsgegenstandes. Es handelt
sich um ein betiteltes und zuweilen kommentiertes Bild, das vom Anwender auf die
195 Aus diesem Grund wird hier auf Fußnoten mit Hinweisen auf einzelne Seiten verzichtet.
Dem interessierten Leser sei angeraten, sich einen eigenen Account zu erstellen und die
Funktionalitäten des Dienstes selbst auszuloten.
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien