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116 Honorarkonsuln
Im Allgemeinen musste Österreich-Ungarn bei der Auswahl der Honorarkon-
suln tolerant sein. Gute Auskünfte über Geschäftsgang, Leumund und Umgangs-
formen, ein persönliches Ansuchen um den Posten und wenige Monate Ein-
schulung in Wien genügten noch 1901, um Honorarkonsul zu werden.289 Doch
nicht jedes Angebot eines Gratisdienstes wurde angenommen.290 Bei verminder-
ten Rechten bestanden die meisten P ichten291 eines Konsulates, die bei der Be-
richterstattung kaum eingehalten wurden. Bei entsprechender Zunahme des Ge-
schäftsganges wurde das Honorarkonsulat meist in ein effektives Amt umgewan-
deltundmanchesMalderHonorarfunktionärineineruntergeordnetenFunktion
weiterbeschäftigt.292 Wenn für ein Honorarkonsulat kein würdiger Vertreter ge-
funden werden konnte, ließ man auch einen bezahlten Konsul zu, z.B. in Ham-
burg, das seit 1782 ein Honorarkonsulat war. Sisinio de Pretis von Cagnodo war
dort von 1838 1848 bezahlter österreichischer Generalkonsul. Ein effektives Ge-
neralkonsulat wurde es ab dem 5. Oktober 1893.293 In einigen Fällen stellte man
angesehenen Honorarkonsuln effektive Beamte für die Amtsführung zur Seite,
z.B. in Buenos Aires und in Frankfurt am Main. Der Honorarkonsul war dann
hauptsächlichfürdieRepräsentationzuständig.1914standen110effektivenKon-
sulaten (GK + K + VK) 261 Honorarkonsulate gegenüber. Durch die Hono-
rarkonsulate konnte sich die Donaumonarchie erhebliche Kosten sparen. Als im
Sommer 1913 klar wurde, dass der Leiter des Honorarkonsulates München, GK
Bruckmann, aus gesundheitlichen Gründen würde aufhören müssen, wurde be-
rechnet, wie viel Geld notwendig wäre, um eine vergleichbare Konsularadresse zu
nden. Mehr als 8.600 Mark hätten für eine Jahresmiete eines Amtslokales vorge-
sehenwerdenmüssen.294
289 ARF8/306.
290 Der angesehene u. wohlhabende ungarische Kaufmann I.H. Waldapfel schlug 1883 in Ca-
lazas (seinem Wohnort), zwischen Giurgiu und Turnu-Severin am rumänischen Donauufer
gelegen, ein neues Konsularamt vor. Er wollte als Honorarfunktionär sogar auf die Taxen ver-
zichten;sollteernichtbestelltwerden,wolleereinKanzleilokal inseinemHausunentgeltlich
zur Verfügung stellen. Waldapfel machte auf Teschenberg einen günstigen patriotischen Ein-
druck, aber er traute ihm die Fähigkeit, ein Konsulat zu führen, nicht zu. Auch hielte ich
es bei den gegenwärtigen Verhältnissen für sehr schwer möglich, einen unserer israelitischen
Staatsbürger hier mit einer öffentlichen Stellung zu bekleiden
, Frhr. v. Teschenberg an Au-
ßenministerGf.Kálnoky,Turnu-Severin,22. Juli1883,Nr.18D.ARF8/I.
291 Auffällig ist, dass sowohl im Jb. 1898 S.367f. und bei Malfatti Bd. I, S.98 wohl über die
Ernennung genau berichtet wird, aber nichts über P ichten. Diese können über das Studium
derBerichteerschlossenwerden.
292 Z.B.: Lutterotti, Joseph war von 1871 1876 Honorar-VK in So a, nach Errichtung des ef-
fektiven Vizekonsulates wurde er bis 1908 als Hilfsbeamter weiterverwendet. Deusch 1961,
S.331.
293 Agstner2003,S.147,276.
294 KostenschätzungvonGKSzarvasy imAugust1913,ARF8/176.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918