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122 Kontrolle
F.M.L.,MinisterdesKaiserlichenHausesunddesAeussern,etc.etc.etc. (Prizren,
6.März1887,NrII.ARF4/135,PeHickel).
Genehmigen Euer Exzellenz den Ausdruck meiner dankbaren Verehrung,
und unentwegt treuen Ergebenheit. Gustav Frhr. v. Albon an Außenminister Gf.
Go uchowski imJahre1897,ARF4/6Pe.Albon.
Konsul Halla meldete am 22. Aug. 1914 einen Dienstantritt eines Untergebe-
nen ohne Ergebenheits oskel, obwohl es sich um kein Telegramm handelte! In
EinleitungspassagenbliebensieauchwährenddesWeltkriegeserhalten.1917: Ich
beehremichergebenstzuberichten,dass ...
Die in diesen Beispielen deutlich werdende Unterwür gkeit, die nach Aus-
bruch des Ersten Weltkrieges reduziert wurde, bedarf keines Kommentars. Aber
sie lebte weiter! Im Unterrichtsministerium konnte der Autor noch gegen Ende
des 20. Jahrhunderts von einem Ministerialrat zum andern Ministerialrat, der an
ihm vorüberschritt und kein Wort mit ihm wechselte, bei gleichzeitiger Verbeu-
gungsagen: MeineErgebenheit,HerrMinisterialrat!
6.4 JedesKonsulateineTintenburg
In jedem Konsularamt gab es Aufzeichnungen über den amtlichen Schriftverkehr.
Die Reservatsakten umfassten meist Konzepte, die vor der Reinschrift angefer-
tigt wurden. Sie können Streichungen und Ausdruckänderungen enthalten, die
dem Forscher Absichten, aber auch Verschleierungen von Vorgängen offenbaren
können. Jedem Beamten desselben Amtes war es daher möglich, zu erfahren, wel-
che Inhalte dasselbe verlassen hatten. Kopien mussten angefertigt werden, was im
Text angeführt werden musste (z.B.: Gleichlautend berichte ich an die Botschaft
in ...
). Aufträge zu Recherchen im Archiv oder Urlaubsvertretungen über Wo-
chenodersogarMonatehinwegwarenMöglichkeitenfüruntergeordneteBeamte,
an Berichte heranzukommen, die ihre Person betrafen. Manchmal gab es deshalb
AuseinandersetzungenmitdemAmtschef.
Sollte daher ein Inhalt im Amt verborgen bleiben und rasch eine Veränderung
erreicht werden, so half man sich mit einem Privatbrief an eine Vertrauensperson
in Wien, am besten im Außenministerium. Immer drehte es sich um personelle
Angelegenheiten (Abberufung eines Beamten, Fürsprache wegen Beförderung,
Gewährung von Krankenurlaub oder Eheerlaubnis). Solche Privatbriefe wurden
manchmal in den Personalakt des Betroffenen im Ministerium eingelegt, oder sie
nden sich im Nachlass der Vertrauensperson. Negative Inhalte in Privatbriefen
oderpersönlicheMitteilungenwarenfürdenBetroffenenbesondersunangenehm,
weil er zwar die Auswirkungen spüren konnte, aber kaum die Möglichkeit bekam,
sichzurWehrzusetzen.
Heikle Angelegenheiten wurden auch in persönlichen Gesprächen im Minis-
terium erledigt. Jeder Konsularbeamte, der auf Heimaturlaub kam und Wien er-
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918