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ten, so dass auf Grundlage eines einzigen Botschaftspasses dreißig Pässe in einer und
derselbenAmtshandlungausgestelltwurden!
Solche Vorgänge haben in der Vergangenheit Ansehen und Machtstellung unserer
Consulate inRumäniensotiefuntergraben... 325
1883 hatten Österreicher auf dem Konsulat für einen Auslandspass mit dreijähri-
ger Gültigkeit einen Gulden zu bezahlen, minder Bemittelte aber nur 15 Kreuzer,
UngarndagegenzweiGuldenoder20KreuzerfüreinJahrGültigkeit.
6.9 VorwürfewegenBerechnungzuhoherGebühren,Bereicherungund
Bestechungen
Vorwürfe wegen Berechnung zu hoher Gebühren erfolgten häu g, stellten sich
aber meist bei genauer Prüfung als unberechtigt heraus. Der Konsul hatte ja die
MöglichkeitdenSozialstatuszuberücksichtigen.
Anonyme Anzeigen wurden gerichtlich nicht verfolgt, dürften aber doch Spu-
ren hinterlassen haben. Cajetan Zagórsky, der von September 1871 bis Dezem-
ber 1879 in Turnu-Severin als Vizekonsul das Amt leitete, soll dort unberechtigt
80.000GuldenKapitalerworbenhaben, indemerKaufleuteindenBankrotttrieb
und sich über die Konkursabwicklung bereicherte. Bei den Bestechungsvorwürfen
wurden sehr genaue Fakten angeführt, die allgemeine Beschreibung der Amts-
führung in Vidin ließ Voreingenommenheit des anonymen Klägers erkennen. Es
wurdedarumnichtgerichtlichverfolgt.AberZagórskywurdewenigeMonatenach
dem Auftauchen der Schrift im November 1883 von Vidin zur Leitung des Vize-
konsulatesVlorëversetzt,obwohlerseit Juli1882schonKonsulwar.
Dem Konsul in Edirne, Camerloher, warf man 1874 Bedrückung, Misshand-
lung und Erpressung vor. Eine einwöchige Überprüfung durch Konsul Oesterrei-
cher ergab, dass Taxen in Piastern mit erhöhtem Umrechnungskurs eingehoben
und sogar schon vor zehn Jahren bezahlte Gebühren noch einmal mit 2% Ver-
zinsung eingetrieben wurden. Dieser Konsul wurde mit Dekret vom 3. Dez. 1874
suspendiert und sollte sich vor einer Disziplinarkommission verteidigen. Krank-
heit verhinderte dies. Die eingeleitete Entlassung erlebte er nicht mehr. Nach
schuldhafter Entlassung wären Hinterbliebene ohne Versorgung gewesen. Da er
sich aber nicht mehr persönlich verteidigen konnte, wurde eine Gnadenpension
ausbezahlt. Versuche des Ministeriums, seit 1884 Konkursfälle an ortsansässige
Advokaten dauerhaft abzugeben, misslangen. Advokaten waren nur an Fällen in-
teressiert, die gewinnträchtig waren. Außerdem war das Verlangen aus Wien, eine
Kaution vor Übernahme einer Vertretung zu hinterlegen und verbilligt zu amtie-
ren, ein weiteres Hindernis. DieEhre, sich Rechtsanwalt des Konsulates nennen
325 TeschenberganAußenministerKálnoky, Ias¸i,30. Juli1883,Nr.23A F.ARF8/I.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918