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TeschenbergsInspektionsreise 129
zu dürfen, hatte nur in Gebieten mit mangelhafter Rechtsp ege Werbekraft. 1890
gab es Konsularrechtsanwälte bei den Konsulaten in Konstantinopel, Izmir, Salo-
niki,Warschau,Moskau,St.PetersburgundOdessa.326
Beschwerdeüber fehlendeSprachkenntnisse
1863beschwertesichGrafNadasdy,dassKanzlerMontlonginBukarestwederUn-
garisch noch Rumänisch beherrsche. Frhr. v. Eder wies diese Beschwerde ab, weil
es sich um keine Amtssprache des Konsulates handle, gab aber zu, dass Montlong
kein Ungarisch beherrsche, aber Rumänisch verstehe. Im gleichen Amt waren zur
gleichen Zeit fünf Beamte der magyarischen und sechs der rumänischen Sprache
mächtig.327
6.10 TeschenbergsInspektionsreise
Nach Klagen aus dem Handelsstand über untätige Konsularämter, die von der
Presse und in beiden Delegationen aufgegriffen wurden, führte der außerordentli-
che Gesandte und bevollmächtigte Minister Frhr. v. Teschenberg im Auftrag von
Außenminister Graf Kálnoky von Mai bis Ende Juli 1883 eine Inspektion von
k.u.k. Konsulatsämtern in Serbien, Bulgarien, Rumänien, Ostrumelien und Kon-
stantinopel durch. Teschenberg hatte den Auftrag, das Konsulatswesen insgesamt
in seinen Funktionen zu überprüfen, damit Verbesserungen durchgeführt werden
können. Er musste sich nach seiner Ankunft in Belgrad, So a, Plovdiv, Konstan-
tinopel und Bukarest mit den dortigen Missionschefs in Verbindung setzen, um
einen möglichst regen Meinungsaustausch über die Angelegenheit einzuleiten. Te-
schenberg hatte das Recht, Einsicht in die Korrespondenzen der Konsulate zu
nehmen und Aufklärungen zu verlangen. Besonderes Augenmerk sollte er auf An-
fragen aus der Handelswelt legen und die österreichisch-ungarischen Handelsbe-
lange. Sogar eine Reorganisation der Standorte der Konsulate könnte angedacht
werden.SeineErgebnissesolltenersteAnhaltspunktefürspäterinAussichtzuneh-
mende Verbesserungen liefern.328 Auftragsgemäß reiste Teschenberg zuerst nach
Budapest, wo er vom ungarischen Ministerpräsidenten v. Tisza die Gründe seiner
Unzufriedenheit über die Konsuln erfahren wollte. Doch dieser erging sich nur in
Andeutungen allgemeiner Natur, bei Rumänien streifte er mehr das polizeiliche
alsdasvolkswirtschaftlicheGebiet.InjedemKonsulatsolltemindestenseinBeam-
terangestelltsein,derUngarischvollständigbeherrschte.WegenderDetailswurde
326 ARF8/306.GeneraliaA1880 1918.AdvokatenI.
327 Frhr.v.EderanAußenministerRechberg,Bukarest,17.März1863,Nr. XXXIII res.ARF4/
224,Pe.Montlong.
328 Privatschreiben des Außenministers Kálnoky an den außerordentlichen Gesandten u. bevoll-
mächtigtenMinisterFrhr.v.Teschenberg,Wien,18.Mai1883.ARF8/I.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918