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ZumVerhältnisadeligerundbürgerlicherKonsulatsbediensteter 153
Als eine Folge der großen französischen Revolution und aus Misstrauen vor
revolutionären Bürgerlichen musste der österreichische Beamte seit 1801 bei Ab-
legungdesDiensteidesschwören,keinergeheimenGesellschaftanzugehören.
Obwohl seit Joseph II. die Ausbildung für Stellenbesetzungen entscheidend
sein sollte, waren Sonderkarrieren für Adelige möglich. Das System der supernu-
merären Beamten, das seit 1802 vereinzelt und nach 1826 mehrmals vorgekom-
menwar,botdazueineMöglichkeit.Diesesupernumerären(überzähligen)Stellen
wurden nicht bezahlt, ermöglichten aber, praktische Erfahrung und anrechenbare
Dienstzeiten zu erwerben, und berechtigten nach Jahren, einen höheren bezahl-
ten Posten einzunehmen.378 Für Stekl war im Vormärz für Hocharistokraten ein
rascher Aufstieg zu den monopolisierten Spitzenstellungen im diplomatischen,
Militär-oderVerwaltungsdienstdurchein ussreicheProtektioneineinstitutiona-
lisierte Gep ogenheit.379 Für den Konsulatsbereich ist seine Behauptung weniger
zutreffend.
Da die Beförderung auf dem Weg der überzähligen Dienstleistung häu g zu
Kränkungen verdienter Beamten und zur Entmutigung Anlaß gegeben haben ,
wurdensie1848abgeschafft.380 1848wurdeneinigeVorrechtedesAdelsaufgeho-
ben. So wurde z.B. der privilegierte Gerichtsstand (Ausnahme Lombardei) durch
die Reichsverfassung vom 25. April 1848 und die Befreiung des Adels von der Mi-
litärp icht mit Patent vom 5. Dezember 1848 abgeschafft.381 Gegen Nivellierung
beschwerte sich GK Frhr. v. Wallenburg im Juni 1849 bei Außenminister Fürst
Schwarzenberg. Wallenburg war gegen die in der amtlichen Korrespondenz einge-
führte Übung, dass gegen höhere zumal im Auslande beglaubigte Staatsbeamte,
selbst ohne Rücksicht auf ihre Geburt, h. Verdienstorden u.d.g. ohne alle Aus-
nahmen die Ansprache Hochwohlgeboren` beobachtet wird, während lediglich
gegen Beamte der untersten Dienstkategorien und gegen unadelige Individuen die
verbrauchte Titulatur
Wohlgeboren` üblich ist
; der GK wünschte aus schickli-
cherCourtoisieinamtlichenZuschriftenmitseinenfrüherenTitelnangesprochen
zu werden. In der Antwort vom 29. Juni wurde sein Antrag abgelehnt, zwischen
Durchlauchtig hochgeboren und Hochwohlgeboren und den übrigen Adeligen
oder nichtadeligen Funktionären zu unterscheiden. Schwarzenberg teilte Wallen-
bergs Überzeugung nicht, dass diese Formalität auf die Geschäfte selbst irgendei-
nennachteiligenEin ussausübenoderdaspersönlicheAnseheneineskaiserlichen
diplomatischenAgenten,welchesaufbesserenFundamentenalseinerleerenCour-
378 BeidtelBd.II,S.108f.,228f.
379 Stekl,S.118.
380 Schreiben des Ministers Frhr. v. Pillersdorf an sämtliche Länderchefs vom 13. Mai 1848. Vgl.
Politische Gesetzessammlung, Bd.76, Nr.64. Der Adel und das Staatsbeamtentum. In: Hu-
gelmann,S.349f.
381 Militärp icht herrschte für Adelige vorher in den Provinzen Tirol, Dalmatien und der Lom-
bardei.Waldstein-Wartenburg,S.140.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918