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154 SozialeundhumaneAspekte
toisieformelruhenmüsse, irgendwiebeeinträchtigenkönnte.382 Rangfragenwaren
inderGesandtschaftvonRom1856nochsowichtig,dass sogareinBerichtandas
Außenministeriumgeschicktwurde,welcherSekretärderGesandtschaftimStaats-
kalender an erster Stelle genannt werden soll.383 1849 wurde die Theresianische
Akademie auch für Nichtadelige zugänglich. Formal wurden Adelige und Bürger-
liche vor den Gesetzen gleichgestellt, doch in der Praxis setzte sich die Gleichbe-
rechtigung innerhalb der Amtsstuben nur langsam durch. Besonders im diploma-
tischen Dienst stachen Angehörige hochadeliger Familien durch Gemeinsamkeit
der Herkunft, der verwandtschaftlichen Beziehungen, der Erziehung und der ma-
teriellen Besserstellung hervor. In solche Kreise einzudringen, war für Bürgerliche
schwer, weil sie meistens in der Lebenshaltung nicht mithalten konnten.384 Die
immerwiederbehaupteteBevorzugungdesAdels imösterreichischenStaatsdienst
bildete wiederholte Male einen Gegenstand parlamentarischer Beschwerden, die
immerzurückgewiesenwurden,besondersnachdrücklichinderBudgetdebattedes
Jahres 1889.385 Schon in der 1869 beschlossenen Neuregelung des Personal- und
Salärstatuts der effektiven Konsularfunktionäre und des Kanzleipersonals wurde
dasPrinzipaufgestellt, dass jederzeitderMannfürdenPosten,nichtaberderPos-
tenfürdenMannzubestellensei! 386
BeiderAufnahmeindieOrientalischeAkademierichtetesichdasAußenminis-
terium nach erbrachten Leistungen. 1869 empfahl Kaiser Franz Joseph das Ansu-
chendesTriestinersGoracuchizurAufnahmeindieseAkademie.DiePrüfer lehn-
ten ihn ab, weil seine Prüfungsergebnisse den besten Arbeiten nachstanden; durch
seineunvollständigenKenntnisseinderdeutschenSpracheerschienerfürdieAuf-
nahme in die Anstalt nicht gehörig quali ziert. Die letzte Entscheidung über die
AufnahmelagbeimKaiser,dersichaberderMeinungderPrüferanschloss.387 Aus
der Tatsache, dass 1911 der Sohn einer geadelten jüdischen Industriellenfamilie
aus Ungarn bei der Aufnahmeprüfung nicht bestand, kann nicht auf Vorurteile
geschlossen werden. Bei der gleichen Prüfung teilten zwei Abkömmlinge aus sehr
bedeutenden und im Staatsdienst mehrfach vertretenen Familien des Hochadels
Österreichs und Ungarns dieses Schicksal. Für den Ungarn wäre sogar ein von der
eigenenFamilieeingerichteterStiftsplatzzurVerfügunggestanden.388
382 GK Friedrich v. Wallenburg an Außenminister Fürsten v. Schwarzenberg, Warschau,
16. Juni1849,Nr. XXXV/1140.ARF4/369.
383 ARF4/113Pe.Gravenegg.
384 Pfusterschmid-Hardtenstein,S.134.
385 MinisterpräsidentGf.TaaffeinderSitzungdesAbgeordnetenhausesvom13.März1889:307.
SitzungderX.Session;StenographischesProtokoll,S.11114f.
386 Pfusterschmid-Hardtenstein,S.147f.
387 ARF8/276.
388 AdK Karton 76, Aufnahmegesuche 1911/12 nach Pfusterschmid-Hardtenstein,
S.150.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918