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220 DieKonsuln
ordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am königlich griechischen
Hofe, 16. Febr. 1897; Kämmerer, 23. Febr. 1897; die ungarische Baronie erhal-
ten, 5. März 1900; Geheimer Rat, 19. Febr. 1903; gemeinsamer Finanzminister,
24. Juli 1903 20. Febr. 1912; als gemeinsamer Finanzminister stand er an der
Spitze der bosnisch-herzegowinischen Landesverwaltung; in Bosnien und Herze-
gowina begann er 1907/08, eine Verwaltungsautonomie der serbisch-orthodoxen
Kirche einzuführen; die Bosnische Verfassung , die am 17. Febr. 1910 erlassen
wurde, begünstigte eher die Serben (nach der Volkszählung im Jahre 1910 gab es
in beiden Provinzen insgesamt 43,5% Serbisch-Orthodoxe, 32,3% Muselmanen,
22,9%RömischeKatholiken);Katholikenwarendeshalbmitihmnichtzufrieden.
UnterseinemVorgängerKállaywurdendiesebevorzugt.Am4.April1908(=noch
vor der Umwälzung in der Türkei) unterbreitete Burián Kaiser Franz Joseph eine
Denkschrift, indererdieNotwendigkeiteinerStabilisierungdesVerhältnissesvon
Bosnien und der Herzegowina zur Monarchie begründete und den Antrag stellte,
die nötigen legislativen und diplomatischen Maßnahmen einzuleiten, um die Ok-
kupation in eine dauernde Vereinigung überzuführen. Der Kaiser stimmte zu,
AußenministerAehrenthal lehnteunterHinweisaufdeninternationalenCharak-
terderAngelegenheitzunächstab.NachAusbruchderjungtürkischenRevolution
mussteerhandeln.489
Minister am Ungarischen Hoflager in Wien, Juni 1913 Jänner 1915; Au-
ßenminister vom 13. Jänner 1915 21. Dez. 1916 war jetzt gegen Annexionen
eroberter Gebiete durch Österreich-Ungarn; Leitung des gemeinsamen Finanzmi-
nisteriums, 22. Nov. 1916; bekam die Leitung des Außenministeriums dazu am
16. April 1918 (NDB gibt den 18. April an) bis 24. Oktober 1918; 1918 in den
Grafenstanderhoben; indenbleibendenRuhestandversetztbeigleichzeitigerAn-
erkennung seiner Verdienste und Ernennung zum Ritter des Ordens vom Golde-
nenVliese,24.Okt.1918.
Anlässlich der Enthebung Buriáns als Außenminister beschrieb ihn der deut-
scheBotschafterWedelam22.Dez.1916: BaronBuriánhatkeineFreunde.Seine
advokatorischen Talente, seine rechthaberische Rhetorik und sein steifes Wesen
hatten keine werbende Kraft. Er war auch bei seinen eigenen Beamten nicht be-
liebt. Er arbeitete selbständig, weihte seine Mitarbeiter kaum in seine Pläne ein,
sondern setzte ihnen höchstens logisch auseinander, daß seine Gedanken die ein-
zigst richtigen seien. Den aus Amerika heimgekehrten Botschafter Dumba hat er
z.B.kaumzuWortekommenlassen,sondernihmeinenVortragüberAmerikage-
halten (Dazu Randglosse Kaiser Wilhelms: so kennen wir ihn`) Die gleichen
Erfahrungenmachtenandere,undsokamerindenRufgeistigenHochmuts.Auch
füreinenStaatsmannhieltmanihnnicht.
489 Matsch1982,S.216.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918