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Biogra en 313
Denkschriften:1. BemerkungenüberdieOrientalischeFragevomStandpunkt
der österreichischen Interessen. 641 Inhalt: Der Status quo des Osmanischen Rei-
ches als eines Vielvölkerstaates wie das Kaiserreich muss im österreichischen In-
teresse erhalten werden, weil das Nationalitätenprinzip für beide als Sprengkraft
wirkt.
Durch die Reformbewegung wurde die zentrale Reichsgewalt des türkischen
Staatesgestärkt,zugleichaberdiedieinnereReichseinheitgewährleistendeSchicht
(Janitscharen, großer und kleiner Landadel) vernichtet und dadurch ist das bis da-
hin niedergehaltene, aber zahlreichere christliche Bevölkerungselement zu Kraft-
und Selbstbewusstsein erweckt worden. Im Morgenland bildet der Glaube die Ba-
sis seinersozialenAnschauungenundGefühle.
Infolge des Verfalls des mohammedanischen Volkselementes hat die türkische
Staatsgewalt nur die Wahl zwischen Untergang oder Christianismus. Eine Ver-
ständigung zwischen Christen und Mohammedanern ist nicht denkbar. Um das
Staatsganze zu retten, in dem die byzantinischen Staatseinrichtungen zum größ-
ten Teil im Türkischen Reich weiterexistieren, erörterte Hahn den Wechsel an der
SpitzederHierarchie.
Ein Übertritt des Sultans zum Christentum sei so gut wie unmöglich. Für die
Ersetzung des Sultans durch eine christliche Dynastie in Konstantinopel hätte die
griechisch-bayerische Chancen. Eine russische, französische oder österreichische
SekundogeniturwürdeamWiderstandderübrigenGroßmächtescheitern.
Die Wiederherstellung der griechischen Kirche in ihrem alten Glanz müsste
demderzeitigenEin ussvonRusslanddenTodesstoßversetzen.
Die Griechen haben seit der Revolution staunenswerte Fortschritte gemacht.
Infolge des geistigen Übergewichtes werden sich nichtgriechische Volkselemente
(Albaner, Südbulgaren, Walachen) in der Nachbarschaft der Griechen freiwillig
gräzisieren. Die zahlenmäßig gleich starken Serben waren länger unabhängig als
dieGriechen,habenaber ihrefrüherenprimitivenZuständenochnichtbeseitigt.
Eine Aufteilung des Türkischen Reiches ist für Österreich erst in zweiter Linie
eine günstige Lösung. Für Dalmatien muss Österreich Bosnien gewinnen. Ohne
Bosnien kein Dalmatien, ohne Dalmatien keine Matrosen, ohne Matrosen keine
Flotte, ohne Flotte keine Großmacht. . Jede andere Ausdehnung Österreichs in
südlicher Richtung würde vorerst eher schwächen als stärken. Eine Ausdehnung
von Belgrad an den Golf von Saloniki könnte durch eine Eisenbahnlinie eine
HauptarteriedesWeltverkehrswerden.BeidieserAusdehnungwäreeineVerstän-
digungmitRusslandmöglich.EineAusdehnungüberdieDonaufürstentümerzum
SchwarzenMeermüssteRusslandzumbleibendenGegnermachen.
DieSchaffungvonunabhängigennationalenKleinstaatenanderSüdgrenzedes
KaiserstaateskannnurimInteressederGegnerÖsterreichs liegen.
641 PA XVIII,KonsulatSiros, fol.18 24.abgedrucktbeiGrimm,S.334 341.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918