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458 DieKonsuln
zugeteilt, 30. Juni 1904; DA 19. Sept. 1904; In der Erledigung der administrati-
ven, judiciellen, maritimen und militärischen Angelegenheiten des Generalkonsu-
lateszeigtMi kowskigroßenEiferundsehrgründlicheKenntnisse.Dieauffallende
Vermehrung der hieramtlichen Proventen, und die musterhafte Ordnung des Ar-
chives sind größtentheils seiner energischen und gewissenhaften Amtirung zu ver-
danken.
Leider stehen diesen hervorragenden Eigenschaften so manche Schattenseiten
gegenüber.
Herr v. Mi kowski hat schwere Krankheiten (Herz- und Lungenleiden) durch-
gemacht, und scheint sich noch lange nicht erholt zu haben. Sein physisch ge-
schwächter Zustand ist nicht ohne Ein uß auf die Entwicklung seines Charakters
geblieben; er gehört meiner Ansicht nach zu jenen Menschen, die aus physischen
GründennichtmehrdievolleMachtüberdaseigeneIchbesitzen.
Zu Beginn seiner hieramtlichen Verwendung hatte er unter Manifestirung ir-
redentistischer Anschauungen wiederholt in recht unpassender Weise an den po-
litischen Verhältnissen unserer Monarchie Kritik geübt, und erst nach mehreren
scharfenZurechtweisungensichMäßigungauferlegt.
ImParteienverkehr isterhäu gerregtundbarsch.
Mit den zum Theile sehr angesehenen und hochanständigen Mitgliedern der
österr.-ung.ColonieinRiodeJaneiro,vermiederesbis jetzt, inpersönlicheBerüh-
rungzutreten,daerüberhauptdemkaufmännischenBerufegeradezuVerachtung
entgegenbringt. Aus demselben Grunde ist er zur Erledigung der commerciellen
Agenden des Generalkonsulates nicht gut zu verwenden; er ist diesbezüglich ein
ausgesprochenerPessimist,hält jede, insbesonderedieausderInitiationderk.u.k.
Consularämter hervorgehende handelspolitische Tätigkeit für nutzlos und zeigt
überhaupt für diesen sehr wichtigen Theil der consularischen Agenden wenig In-
teresseundVerständnis.
InFolgeseinesetwashämischenundmürrischenWesenshatsichHerrvonMi -
kowski hier noch wenige Sympathien erworben, wenn auch sein Sprachentalent
undseineumfassendeallgemeineBildungüberallanerkanntwerden.
Meiner Ansicht nach würde der genannte Functionär am besten zu einem
großen Amte mit zahlreichen adminnistrativen Agenden z.B. Constantinopel,
Warschau, Bucarest etc. passen. Die provisorische Gerenz des Generalconsulates
wird er bei seiner großen Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit wohl anstandslos
absolviren.
Für eine de nitive Amtsleitung ist er gegenwärtig nicht geeignet, besonders
nicht an Orten, wo, wie z.B. in São Paulo oder gar in Curytiba, soviel vom per-
sönlichenVerkehrdesAmtschefsmitunserenStaatsangehörigenabhängt.
Es scheint mir bei dem jugendlichen Alter des Beschriebenen nicht unmöglich,
daß bei richtiger Behandlung seitens seiner Vorgesetzten, und bei zunehmender
Kräftigung seines physischen Be ndens, sich die scharfen Ecken seines Charakters
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918