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650 DieKonsuln
Advokatenprüfungskommission, de dato Budapest, 20. Okt. 1913, zur Ausübung
der Advokatur befähigt; bei gleichzeitiger Verleihung des Titels eines Konsuls zur
Leitung des Konsulates in Bagdad berufen, AE vom 29. Okt. 1913; Amtsüber-
nahme etwa 10. Jänner 1914; Konsul, 4. Jänner 1914; der Konsul war diesem
Posten nicht ganz gewachsen. Pallavicini, Botschafter in der Türkei, beklagte dies:
Bei der Wichtigkeit der Vorgänge in Mesopotamien und bei dem Umstande, daß
auch die Entwicklung der Ereignisse in Persien sowie die Tätigkeit der Deutschen
dortselbst, von Bagdad aus unschwer kontrolliert werden könnte, bildet das fast
gänzlicheAusbleibeneinerBerichterstattungeineemp ndlicheLücke ...
Konsul v. Tahy soll psychisch sehr deprimiert und äußerst nervös sein. Auch
dürfte zweifellos sein langer ununterbrochener Aufenthalt im dortigen Klima auf
ihn nicht ohne Ein uß geblieben sein. Trotz der ihm wiederholt und zuletzt über
Auftrag des Ministeriums erteilten Ermahnung hat sich am leidigen Zustand so
gut wie nichts geändert. Überdies scheint Tahy, was gewiß nicht im Interesse des
Dienstes ist, mit den deutschen Of zieren und sonstigen deutschen Elementen
soviel wie nicht zu verkehren. Gerade dieser Umstand müßte ihm aber reichlich
Stoff zu interessanter Berichterstattung liefern. 1218 In telegraphischen Berichten
zwischen 31. März und 6. April 1916 wies Tahy darauf hin, dass er seit Okt. 1913
ohne Urlaub Dienst im Tropenklima bei täglich 8 10 Stunden Arbeit leiste, ohne
Rücksicht auf Sonn- und Feiertage, teilweise in der Nacht (Chiffretelegramme
können fast ohne Ausnahme nicht vor den späten Nachtstunden abgefertigt wer-
den). Tahy fehle der erforderliche Beamtenapparat (für die mechanische Chif-
frearbeit eines Telegrammes, dessen Konzept 10 Minuten in Anspruch nehme,
seien 4 5 Stunden erforderlich). Wegen Personalmangel gingen gut drei Viertel
der Arbeitszeit für Manipulationstätigkeit auf,1219 er müsse umfangreiche unauf-
schiebbareadministrativeKonzepteundKanzleiagendenebenfallsselbstversehen.
Falls ihmnichtinnächsterZeiteinKonzepts-undeinKanzleibeamterzugewiesen
werdenkönne,müsseerzurVermeidungseinesgänzlichenphysischenZusammen-
bruches (er leide bereits an Erschöpfung, Schwäche des Herzens und der Augen)
um Versetzung in den zeitlichen Ruhestand bitten. Botschafter Pallavicini regte
am 11. April 1916 an, Tahy nicht zu pensionieren, sondern unverzüglich einen
Konzepts- und eine Kanzleihilfskraft nach Bagdad zu schicken (tatsächlich wur-
denunverzüglichVKSchmidHeinrichundKonsulatskanzleisekretärJosefBo
tik
dorthinbeordert).1220
1218 BriefPallavicinisanBaronMacchio,Konstantinopel,29. Jänner1916,ARF4/393.
1219 Führung von 3 Exhibitenprotokollen, Kassabuch, Proventenjournal und alle sonstigen Evi-
denzbehelfe sind ständig auf dem Laufenden zu halten, ferner zahlreiche administrative
Agenden: Durchführung der Stellung und der Nachmusterung, Repatriierung üchtiger
Kriegsgefangener,SchutzvonStaatsangehörigen,ErledigungdesParteienverkehrsusw.
1220 NAR F4/155:Pe.SchmidHeinrich.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918