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DieerstenVeröffentlichungenElseFeldmannskönnennurzumTeil imKon-
textvonumdieJahrhundertwendeverfasstenpsychologischenErzählungen
gelesenwerden, indenenu. a.AuswirkungenderausschließlichaufdieVersor-
gungseheausgerichtetenErziehunghöhererTöchter sowiedieerster sexueller
ErfahrungenausderPerspektivederFrauthematisiertwerden.255Aufunter-
schwelligeArt ist ihnenbereits–wie imhierFolgendenzuzeigenseinwird
–dieTendenzzurspäterensozialkritischenHaltungFeldmannseingeschrie-
ben,was siewiederumineinerbereits imEingangskapitel angesprochenen
ZwischenstellungimHinblickaufZugehörigkeitzuunterschiedlichenAutorin-
nengenerationenzustehenkommenlässt.256
Einegewaltsameerste sexuelleErfahrungmachtdieProtagonistin inBettina
undderFaun (1908),diebei einemeinsamenAusflugaufsLandvoneinem
Fremden, aufdensiedort ineinerDorfschenke trifft,vergewaltigtwird. Sie
ersticht ihndaraufhinmit ihrerHutnadelundbringt sichdaraufhinselbstum.
Indieser frühenErzählungFeldmanns istderMannausderDorfschenke,
alsVertreterderunterenGesellschaftsschicht,die später indenMittelpunkt
von Feldmanns Schreiben rückt, noch als Inkarnation desHässlichen, des
BedrohlichenundFremdenbeschrieben:
ErwarvoneinergroteskenHäßlichkeit,unddasersteGefühl,daserihreinflößte,wardas
desunüberwindlichstenAbscheus. Einkegelförmiger Schädelmit strohgelbem, borsti-
genHaar,einerriesigen,krummenHakennase,eindünnes,zausiges, rötlichesBärtchen.
Dabei hatte er eine schiefe Schulter und einen von rechts nach links schiefgezogenen
Mund.Wenn er redete, sowaren seineKiefer beständig inTätigkeit, und dann zeigte
sichobeneineinziger langervorstehenderZahn.DieAugenwarengrünmitrotenRän-
dern. In ihnenglommeindĂĽsteres Feuer. Etwas vonVerschlagenheit undTĂĽcke eines
wildenTieres lagdarin.ErsahauswieeinLandstreicher ingeraubtenKleidern.257
SeineGegenwart istBettinaunangenehmundsobeginntsie ihnauszufragen.
BaldstießerSätzehervor,dannstarrteermitgeöffnetemMundundleeremBlick indie
Luft.EswarenGesteneinesMenschen,der stetsunterTierengelebthat. […]Er sprach
ohneBewußtsein, alsoberdieGedankeneinesanderenausgesprochenhätte. […]Was
erdaohneZusammenhangerzählte,warziemlichtraurig:ErwardereinzigeSohneiner
alten,geizigenMutter,dieschonjahrelangdasBettnichtmehrverlassenhatte.Obenlag
sieundsiechtedahin,undderSohnmuĂźtesiepflegen.SeitachtJahrenwarerauchnicht
auf einen einzigenTag aus demOrt herausgekommen. ErmuĂźte von frĂĽh bis nachts
255 Vgl.: ebd.:S. 79.
256 Vgl.: S. 19vorliegenderArbeit.
257 ElseFeldmann:BettinaundderFaun. (DieZeit05.07.1908) In:EckhartFrĂĽh(Hg.):Spuren
undÜberbleibsel.Bio-bibliographischeBlätter. (Selbstverlag)2005.Pdf-file abrufbarun-
ter:http://theodorkramer.at/site/assets/files/1050/feldmann_spuren.pdf (Stand:17.06.2017).
S. 23–26.Hier:S. 25.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien