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86 JournalistischeArbeiten
arbeiten,muĂteHaus, Hof und Stall versehen, ganz allein. Nur am Sonntag kam ein
KnechtzurAushilfe.DiehabgierigeGreisinnahmniemalsfremdeLeuteinihrenDienst,
ausFurcht,bestohlenzuwerden.AuchjungeMĂ€dchenkamennieinsHaus.Sie,dieselbst
hinfĂ€lligwar,neidetedemSohnjedes,auchnurkleinsteVergnĂŒgen.InsHausgehörteer,
damuĂte erbleibenzurArbeit.Rackernvon frĂŒhbis spĂ€t,wiedas liebeVieh, ohnezu
mucken.258
DerzusammenhanglosenSchilderungseinerbedrĂŒckendenLebensumstĂ€nde
hörtBettinazwargeduldigzu:âJa,daswarrecht traurig.EswardieGeschichte
einesfreudlosen,dĂŒrftigenLebens.âSieistwegenderdarinfehlendenSensation
aberenttĂ€uscht: âsiehĂ€tteerwartet, etwasbesondereszuhören.EinalltĂ€glicher
Familienjammer!DasAuflehneneinesUnterdrĂŒcktenineinemAugenblickdes
ErwachensausdemStumpfsinn.â259
HierwirddieLebensrealitÀtderamunterenEndederGesellschaftLeben-
denzwarschonartikuliert,vonderProtagonistinBettinaalsVertreterindes
(Bildungs-)BĂŒrgertumsabernochals gegebenhingenommen: âAber lebten
nicht diemeistenBauern so?Verlangte es gerade ihmnach einemAnders-
sein?â260 IndemfĂŒrbeideSeitentödlichenAusgangdesAufeinandertreffens
liegt aber â durch denVerweis aufmöglicheKonsequenzen â bereits eine
unterschwelligeKritikandenherrschendengesellschaftlichenUnterschieden.
IndieserErzÀhlungwirdeinweitererToposderLiteraturumdieJahrhun-
dertwendegestaltet:derderweiblichenStudentin,der sichauchnochineiner
weiteren1908ebenfalls inderZeit erschienenenErzÀhlungFeldmannsMeine
FreundinJeanny (1908)findet.261Damitergibt sichaucheineNÀhezuPhÀno-
menensozialenundkulturellenWandels,dieinFeldmannsfrĂŒhenErzĂ€hlungen
nochimbĂŒrgerlichenUmfeldsituiertwerden.
Bettina istTochter einesHochschulprofessors undStudentinderRechts-
wissenschaften.EineFigur, inderdasAufeinanderstoĂenvonmĂ€nnlichund
weiblichkonnotiertenWesenszĂŒgengestaltetwird: âWieklangdochalles so
bestimmtundeisern,wasBettinasprach; fastwieeinMann.â262Andersalsdas
vonmeistmĂ€nnlichenSchriftstellernreproduzierteKlischeeder âhĂ€sslichenâ
Studentin,wirdbeiFeldmanndasBesondereanBettinasWesen, indemsich
angeblichWidersprĂŒchlichesvereint,beschrieben:âUndseltsamdoch,eswar
zugleich rĂŒhrend,welcheZartheit in allemwar,was sie sagte oder tat.Wie
diesesMĂ€dchenimponierteundbezaubertezugleich.â263
258 Ebd.:S.Â
25.
259 Ebd.:S.Â
25.
260 Ebd.:S.Â
25.
261 Vgl.:ElseFeldmann:MeineFreundinJeanny. (DieZeit11.01.1908) In:EckhartFrĂŒh(Hg.):
SpurenundĂberbleibsel.O. a.: S. 31â37.
262 ElseFeldmann:BettinaundderFaun.O. a.: S. 23.
263 Ebd.:S. 23.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien