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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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LeibderMutter (1924) 171 FormdesmoralischenHandelns“,592derereinewichtigeRolle inderEntwick- lungmodernerGesellschaftenzuschreibt.Bereits imvorangegangenenKapitel istLaichalseinHeld,derandenAnforderungenderModernezerbricht,dar- gestelltworden. IndiesemSinne soll nununtersuchtwerden, inwieferndas Mitleid–verstandenalsmodernesGefühl–alsGegenentwurfzuden ‚Verhal- tenslehrenderKälte‘,wie sie fürdieZeit zwischendenKriegenvonLethen diagnostiziertwordensind,gesetztwerdenkann.593 DerTheseSznaiderszufolgeexistiert inbürgerlich-kapitalistischenGesell- schafteneinespezifischeFormdesMitleids:diedes„‚öffentlichenMitleids‘“,594 dieermitderpost-religiösenIdee,Glückseligkeit imDiesseits zuerreichen, verknüpft.DerchristlichenNächstenliebestellt erdasbürgerlich-öffentliche Mitleidgegenüber,daseralsLeitideediesesmodernenGlaubenssystemsbe- zeichnetunddemerzweiweitreichendesozialeundkulturelleVeränderungen zugrunde legt,dieentscheidendenEinflussaufdieEntstehungdesspezifisch modernenMitleidsgenommenhaben:denDemokratisierungsprozesssowie damitzusammenhängenddieFormierungderaufeinemfreienMarktberu- hendenGesellschaft. DerDemokratisierungsprozess,deraufder IdeederGleichheitundGleich- artigkeit derMenschen fußt, beseitigt die bis dahin in aristokratischenGe- sellschaftenvorherrschende„abgrundtiefeontologischeUngleichheit“595und rücktdenMenschendasLeidderNächstennäher: „Aberwarnichtdieganze WeltvollerBrüderundSchwestern?“, fragt sichLaich:„Manmußesverstehen, undeswarwiederAnfangeinerTheorie, indieersichhineinzubohrenbegann. Manmußesverstehen,dieMenschensoanzusehen,wieBrüder.“ (LDM196) DemokratischeMenschen, so Sznaider, „ob sie eswollen oder nicht, ha- ben keine andereWahl, als sich gegenseitigwahrnehmenundbeachten zu müssen“.596FeldmannsRomanLeibderMutter fällt–nimmtmandenEntste- hungszeitraumindenJahrennach1913an–nicht zufällig ineineZeit sich verstärkenderdemokratischerTendenzen,dieamEndedesErstenWeltkriegs mitderAusrufungderRepublik formaleGültigkeit erhalten. Begriffman imMittelalterLeidennicht als etwasSchlechtesoder zuVer- meidendes, sondernals integralenBestandteilderGesellschaft, so führtnach Sznaider gerade die Gleichgültigkeit und emotionale Kälte der Großstadt, 592 NatanSznaider:ÜberdasMitleid imKapitalismus.Wien,Linz,Weitrau.  a.Bibliothekder Provinz2000.S.  7. 593 Vgl.:HelmuthLethen:VerhaltenslehrenderKälte.LebensversuchezwischendenKriegen. FrankfurtamMain.Suhrkamp1994. 594 Ebd.:S.  9. 595 Ebd.:S.  14. 596 Ebd.:S.  17. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Title
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Subtitle
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Author
Elisabth H. Debazi
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Size
15.8 x 23.4 cm
Pages
306
Keywords
L
Category
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand