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Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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172 Romane wiesieauchSimmeldiagnostizierthat, zueinemneuenPhĂ€nomen:demdes ErschĂŒttert-WerdensĂŒberdasNicht-erschĂŒttert-Seinanderer. EinsolchesErschĂŒttert-WerdenĂŒberdieEmotionslosigkeitandereristLaichs Initiationserlebnis inderWeltdesArmenviertels,das ihn fortannichtmehr loslĂ€sst. BeimAnblickeinerFrau,die ihremSĂ€uglingmiteinerNadel indenHinter- kopfsticht,umihnlangsamundunauffĂ€lligzutöten,stehtLaich„miterstarrtem Herzen;erhatteallesgesehenundbegriffen. [
]er liefwieeinKindinAngst [
]erwarwiebetĂ€ubt.Erschrieeinpaarmal indieLeeredesZimmershinein: ‚WarsieverrĂŒckt?WarsieverrĂŒckt?‘“ (LDM17ff.) Sznaider siehtgerade inder imunmittelbarenWortsinnzuverstehenden ‚Gleich-GĂŒltigkeit‘derGeldwirtschaft,dieeralseine„großartigekulturelleund historischeErrungenschaft“597bezeichnet,dieErmöglichungvonverallgemei- nerndemMitleid. AnalogzuSimmelsBefundĂŒberdiegroßstĂ€dtischeAntipathiealsnotwen- digenAktderSelbsterhaltungsiehtSznaiderFremdheitundEntfremdungals „positivenBeitragzursozialenOrdnungan,der sonst inderModernenicht möglichwĂ€re“.598FremdheitundEntfremdungseiennichtalsGegenteilvon Mitleid, sondernalsdessenVoraussetzungzuverstehen.Damitmeinterdas VerhaltenvonPersonen,diesichzurgleichenZeitamselbenOrtbefinden,sich gegenseitigaberversichern,nichtsmiteinanderzutunhabenzuwollenund nichtsBöseszubeabsichtigen. Wirdindervor-bĂŒrgerlichenGesellschaftUngleichheitakzeptiertunddasauf religiöserNĂ€chstenliebeberuhendeMitleidalsManifestationvonGottesliebe undnichtalsmoralischesGebotgesehen, sogrĂŒndetbĂŒrgerliches-Mitleidauf Gleichheit,wasLeiderundMitleidereinandernĂ€herbringt: „Warerdurch ihrUnglĂŒck ihrnichtnahegekommen?“ (LDM116), fragt sichderProtagonistAbsalonLaich.Mitleid, soSznaider, „wirddadurchauch zueinemMechanismus, dernichtnur vonGleichheit abhĂ€ngt, sondern sie vielmehrnochverstĂ€rkt.“599ErstauntĂŒberdie„Gleichheit, inwelcher ihrbei- derSchicksal lief“ (LDM152),bezeichnetLaichJustineals„seineeigentliche Schwester“ (LDM243).600 DiebestehendeUngleichheitzwischendenMenschennimmtLaichbereitsals Kindschmerzhaftwahr,alser–selbstnochGymnasiastunddamitAngehöriger einerprivilegiertenGesellschaftsschicht–dieAblĂ€ufeineinerMineralwasserfa- 597 Ebd.:S.  16. 598 Ebd.:S.  16. 599 Ebd.:S.  18. 600 AuffallendistdieParallelezwischenJustineundJohannaausdemKindheitsromanLöwen- zahn.Beide, JohannaundJustine,warenalsKindbeiNonnenamMeer.Vgl.:LDM151und LZ281. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0 © 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Title
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Subtitle
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Author
Elisabth H. Debazi
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21213-3
Size
15.8 x 23.4 cm
Pages
306
Keywords
L
Category
Biographien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand