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MarthaundAntonia(1934) 197
–fürdreißigTageKredit sindsiegekauft.Heute istdervorletzteMärz.“ (MUA
347)
EineweiterenegativeEigenschaft,dieVerlogenheit,wird imRomanKol-
leginnenMarthaszugeschrieben.Vonderalten ‚Baronin‘–„Wennmannur
dieHälfte vondemglaubenwollte,was sie ällnächtlich erzählt,wäre es ein
RomanohneEnde.“ (MUA93)–sowievonder„lügnerische[n],ganz inLügen
verstricktenBetty“,die„lügt, sooftsiedenMundaufmacht“ (MUA350), istda
dieRede.
WomitdieBeschreibungFeldmannsnichtübereinstimmt, istderVorwurf
derübersteigertenLibido.NichtnurmännlicheAutoren reproduzierendas
Klischeeder ‚geilenDirne‘,wiezumBeispielFelixSalten indenErinnerungen
der JosefineMutzenbacher,auchRosaMayrederattestiertdenFrauenin ihrer
AbhandlungKritik derWeiblichkeit (1909)naturgegebene größereWillens-
schwächeundPassivität, die sie „fürpolygamesVerhaltenanfälligeralsden
Mann“663mache.MayredermachtdiepassiveunddulderischeVeranlagung
derFrauandernaturgegebenenDispositionderFrauzurMutterschaftfest. In
diesemZusammenhangsprichtsievon„teleologischerGeschlechterdifferen-
zierung“,alsderenSchattenseite siedieProstitutionansieht.
VonderweitverbreitetenAnsicht, der „übergroße[n]Sinnlichkeit“664der
ProstituiertendistanzierensichsowohlAdleralsauchBauer:„DieProstituierte
empfindetinderRegelbeidemGeschlechtsverkehr,beiAusübungihresBerufes,
fastgarnichts.“665UndAdlermerktan:„DasichdieseAnsichtaberrechthäufig
inwissenschaftlichenAbhandlungenfindet, […]somüssenwirhervorheben,
daßderDirnebeiderAusübungihresBerufes jedesinnlicheRegungfehlt.“666
EinBefund,derbeiFeldmannBestätigungerfährt: „[…]ichbleibekaltundtot
[…], ichfühlenichts,währendseinheißerAtemübermeinGesichthinströmt.“
(MUA232ff.)
Mir ist, alswäremeinLeib eineMaschine […]. Ich bediente dieMännermitmeinem
Körper, benahmmichhöflich, imübrigen fertigte ich sie raschab.Manchmal empfand
ichEkel,dannhießes, sichbeherrschen,dasmit indenKaufnehmen,abermeist emp-
fand ichnichts,wiemanineinerFabriknichtsempfindet.Keineneinzigenhabe ichbis
heute imGedächtnis behalten. FürLiebeoderFreundschaftmeinerBesucherhabe ich
keinbißchenGefühl.IchsehedieGestaltenkommenundgehen.[…]IchbineinMecha-
nismus. (MUA47ff.)
663 Karin Jušek:Auf der SuchenachderVerlorenen.Die Prostitutionsdebatte imWiender
Jahrhundertwende.Wien.Löcker1994.S. 161.
664 H.Montane(=FranzHöftberger):DieProstitution inWien.O. a.: S. 129.
665 BernhardA.Bauer:WiebistduWeib?O. a.: S. 534.
666 AlfredAdler:GesellschaftundKultur1892–1937.O. a.: S. 236.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien