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MarthaundAntonia(1934) 199
ââAntonia!â,rufeich,undesistmir,alsmĂŒĂteichdieseselendeZeugvonSchick-
salbeschwörenundhemmen. âDuwirstvonmirGeldgeschicktbekommen,
sehrbald.ââ (MUA315)
Gedanktwird ihrvonderFamilienicht.Gustavdistanziert sich:â[âŠ]will
mirdas JĂŒngel seineVerachtungzeigenâglaubter sichĂŒbermicherhaben?â
Sitzthier inmeinenMöbeln, lerntvonmeinemGeldeâundverachtetmich?
[âŠ]Nichtsdavonsage ich laut.â (MUA68ff.)Ludwigbestiehlt sieundsowohl
derVater als auchAntoniamachendieVerachtung fĂŒr ihrenBeruf, durch
âRedendurchdieBlumeâ sowie âgehĂ€ssig[e]Blickeâ (MUA64),mehroder
wenigerverbrÀmt,deutlich.
DasSorgenfĂŒranderegerĂ€t fĂŒrMarthamehrundmehrzumkompensato-
rischenAkt,durchdensie sichĂŒberdasGefĂŒhldereigenen âVerworfenheitâ
erhebenkann:
Es ist etwas Schönes, junge strebendeMenschen inderNÀhe zuhaben, besonders ne-
benalten,krankenundentarteten.Ichdenkeandiebeidenjungen,gesundenMenschen
GustavundAntonia.DasgabmirMut.Dawollte ichnichtzurĂŒckstehenundversinken,
nein,vorwĂ€rtsbringenwolltâ ichesâaufmeineArt. (MUA64)
Als typischesKennzeichenderLaufbahnvonProstituierten siehtAdlerdas
Bestreben an, âsich in der Prostitution einenAuswegund jeneGeltung zu
verschaffenâ,die ihnenanderswo,âmeistnachfruchtlosenundfruchtlos schei-
nendenVersuchenâaus ihrerStellungalsDienstmĂ€dchen,Gouvernanteoder
Arbeiteringeworfenâ,670 verwehrt ist.671Martha, inderSchuleeineâschlechte
SchĂŒlerin[âŠ]âeinschlechterKopfâ,versuchtderVatermit14Jahrenineinem
Ladenunterzubringen:âAbermanwolltemichnichtaufnehmen,desschlech-
tenZeugnisseswegen, unddĂŒnnwar ich auch.â (MUA25)AlsAngestellte
ineinemSpielzeuggeschĂ€ftwirdsiebeimDiebstahlâerwischtundentlassenâ
(MUA26).DaraufhinwirdsiezumâLangfinger.Zweibisdreimal imTaggelang
esmir,Ladenzubetretenund,wasmir indieFingerkam,mitgehenzu lassen.â
(MUA26)
BauerbeziehtsichaufeineStudieParent-DuchĂąteletsĂŒberdieProstitutionin
Parisvon1837,derereinengroĂenStellenwertzumisstunddieerauszugsweise
direkt inseinenTextĂŒbernimmt,wenneraufdasWissenderProstituiertenum
ihreeigeneVerkommenheitverweist.672WieschwerâdasGewichtderSchmachâ
auf ihnen lastet, zeigesichunteranderemdarin,dass ihnenzumBeispiel âder
670 AlfredAdler:GesellschaftundKultur1892â1937.O. a:S.Â
141.
671 Adler fĂŒhrtdasaufeinGefĂŒhlderNichtigkeitgegenĂŒberdemMannzurĂŒck,demdieProsti-
tuiertemiteineraktiven,mÀnnlichenHaltungbeizukommensucht.
672 DieunverÀnderteWiedergabeganzerPassagenausdieserStudieweistdaraufhin,dassBauer
ihrauchangesichtsdesĂ€lterenDatumseinennachwievorgĂŒltigenStellenwertbeimisst.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien