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MarthaundAntonia(1934) 207
drĂ€ngenderdieFrage: â[âŠ]wasaberwirdmitmir sein, ineinemJahr, inzehn
Jahren?InzehnJahrenbinichaltoderfastalt,graueHaareodergefÀrbteblonde
[âŠ].â (MUA319)AuchdieSchwestergibtzubedenken:ââ[âŠ]kannstdoch
dasnichtdeinLeben langmachen.ââMarthaselbst ist ratlos: ââWassollman
abersonst sein,wennmandaseinmal ist?ââAntoniagibt sich imGegensatzzu
ihrpragmatisch:ââVieleheiraten.ââ (MUA129)ââDukĂ€mst inWohlhabenheit
undallesmiteinander,wĂ€restversorgt [âŠ].ââ (MUA274)SieerzĂ€hltvoneinem
Fall aus ihrerArbeit:
â[âŠ] bei uns in der Klinik hatte ein Professor sich in einAnimiermĂ€dchen in einem
Nachtcaféverliebt,erheiratetesieundheute istsieFrauProfessor,niemandfindetetwas
daran.â
âVielleicht ist sie sehrschön,hatnicht solcheKummerfaltenwie ich.â (MUA275)
Hier kommtder vonBauer angesprocheneUmstand zumTragen, dass die
Verachtung, die Prostituierte fĂŒr sich selbst hegen, âoftgröĂer [sei] als die,
welche tugendhafteMenschen gegen sie Ă€uĂernâ:691 ââNein, ich denknicht
daran;duweiĂt ja,geheiratetwerden,daranwagâ ichniezudenken.ââ (MUA
275)
AuchinderErzÀhlungDasMÀdchenausdemCafé schildertFeldmann,wie
einWitwerumdieHandeinerProstituiertenanhĂ€lt:âIchwarauĂermirĂŒberdie
Frage,soerregtĂŒberdasNeueundUnerwartete,daĂichdreimalschrie: âNein!ââ
DasMĂ€dchenfĂŒrchtetVorbehaltevonSeitendesMannes,seinerVersicherungâ
ââIchwerdeIhnenkeineVorwĂŒrfemachen.âââmisstraut sie: ââAberSiewerden
es fortwĂ€hrendsagenwollen, ichwerdees IhnenansehenundSiedafĂŒrhassen
undIhnenwasantunwollenâŠââ692
DieMöglichkeit eines solchen âAuswegsâ wird von Feldmann in diesem
Feuilletonambivalentaufgeladen.Einerseitsbeschreibt siedenMannals recht-
schaffenââ[âŠ]soeinWitwermitnocheinemJĂŒngeren.Mitgenommenvon
demJĂŒngeren[âŠ].ââ,dernichtganzindasUmfelddesCafĂ©spasst.Erbeteiligt
sichwederamKartenspielnochtrinkter,wiedieanderen,Schnapsundden
Vorschlag,eineProstituiertemitzusichnachHausezunehmen, lehntermit
demVerweisaufseinen15-jĂ€hrigenNeffen,derbei ihmlebt,ab:â[âŠ]wiewird
erdemBubenmorgen indieAugensehen?âTrotzdemtrĂ€gt seinAnsinnendie
ZĂŒgeeinesHandels,dendasMĂ€dchennichtausschlagendarf: âErsiehtmich
boshaftvonderSeitean: âNunfragâ ichSienochwas,manbleibtnicht immer
jung,manbleibtnicht immergesund:was ist,wennSiekrankwerden?ââDerart
691 Ebd.:S.Â
528.
692 ElseFeldmann:DasMÀdchenausdemCafé. In:ASNr.:43.18.11.1934.S. 8.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien