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220 PoetikdesSchreibensvomRand
kleinenZimmer,denntrotz ihrerSchmerzenhörtesienichtzuarbeitenauf.“
(MUA20)
Aber auch fĂĽr FrauenohneFamilie stellendie beengendenArbeits- und
WohnverhältnisseeineBeeinträchtigungdar:
Washatteerbei ihr?IhrZimmer,dasnieordentlichseinkonnte; immerflogenFellhaare
umher.Und alleswar voller Pelzstreifen, undder Staub, der auf denMöbeln lag,man
mochte ihnnochsooftwegfegen.SiemuĂźte immererst langeseinenschwarzenAnzug
bürsten,eheerging…727
DerGrenzeschreibtSimmel inderMehrzahlderVerhältnisse–sowohlzwi-
schenIndividuenalsauchzwischenGruppen–großeBedeutungzu:„Überall,
wodieInteressenzweierElementedemselbenObjektgelten,hängtdieMög-
lichkeit ihrerKoexistenzdaran,daĂźeineGrenzlinie innerhalbdesObjektsdie
Sphärenscheidet.“728
PsychologischeGrenzĂĽberschreitung
UmdieAnschaulichkeit,diesozialeProzessedurchihreVerräumlichungerhal-
ten,zuverdeutlichen, rekurriertSimmelaufdasengeremenschlicheZusam-
menleben,das,umzufunktionieren, einerunausgesetztenpsychologischen
GrenzĂĽberschreitungbedarf:UmunsdasBildeineseinheitlichenMenschenzu
konstruieren, sindwirdaraufangewiesen,das,wasunserGegenĂĽbervonsich
selbstpreisgibt,durch„psychologischeHypothesen“,durch„Schlüsse,Deutun-
genundInterpolationen“zuergänzenundzuerweitern,dawiransonstennur
„zusammenhanglose[n]Bruchstücke[n]einerSeele“729gegenüberstünden,die
wirnichtverstehen,mitdenenwirnichtumgehenkönnten.
Diesemsozialnotwendigen„RechtaufdasEindringen indenanderen“stellt
Simmeldas„RechtaufDiskretion“730gegenüber, eineGrenze,diedasPrivatei-
gentumdesseelischenSeinseinerPersonschĂĽtzt,dieunendlichverschieden
gezogenwerdenkannunddamit inengerWechselwirkungmitdergesamten
StrukturdesgesellschaftlichenLebenssteht.
WieschmalderGrat zwischensich fortwährendverschiebender,notwen-
digerGrenzüberschreitungeinerseitsundVerletzungderPrivatsphäreeines
Menschenandererseits ist,beschreibtFeldmannanhandderBeziehungzwi-
schenLaichundseinerFamilie,die,nachdemseineMutterUngeziefer inseiner
Wäschegefundenhat,glaubt, sicheinUrteilüber ihnanmaßenzukönnen:
727 Dies.:Hände. In:AlexanderKluy (Hg.): Else Feldmann.Travestie der Liebeundandere
Erzählungen.O. a.: S. 80.
728 GeorgSimmel:SoziologiedesRaumes.O. a.: S. 142.
729 Ebd.:S. 142.
730 Ebd.:S. 142.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien