Page - 225 - in Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
Image of the Page - 225 -
Text of the Page - 225 -
RaumalsâklarsteDokumentierungrealerKrĂ€fteâ 225
BeideRaumcharakteristika,dasderversammeltenMassesowiedasMoment
derDunkelheit, treffeninderBeschreibungeinernÀchtlichenVersammlung
heruntergekommenerJugendlicheramPratersternzusammen:
Etwasabseits [âŠ] ist einegroĂeGesellschaftversammelt,die sich lautwieBezechteun-
terhĂ€lt.ManweiĂnicht sofort,umwasessichhandeltâBurschenundMĂ€dchenhalten
denganzenPlatzbesetzt,macheneinenungeheurenLÀrmundwennmannÀherzuhört,
wirdeinemangstundbangvor ihremRedenundTreiben.741
Dieobenangesprochene,sowohlpositivewienegativeWirkungderDunkelheit,
erlaubtFeldmann,HoffnungenundSehnsĂŒchtesowieĂngstederMenschen
gleichermaĂendeutlichvordasAugedesLeserszufĂŒhren:
Als es dunkel war, stand ich und sah die Sterne an. Ich sah dieMilchstraĂe und den
groĂenWagen.WennmeineElternreichwĂ€ren,möchteichAstronomiestudieren.Man
mĂŒĂte selbst denFriedenfinden inderWelt des ewigenFriedens undderEinsamkeit
dortoben. (LZ2175)
ImRĂŒckblickaufdieeigeneKindheit schreibtFeldmann:âWieschönistes, zu
Hause imBett.KeinLicht.TiefeDunkelheit.Alleinsein!Wieschön!DenKopf
unterdieDecke, sichverkriechen.â742
InLeibderMutter erscheintdieNacht als allenBedrÀngnissendesTages
entrĂŒckterâOrtâ:âErliebtedasSeltsameundTraumhaftedernĂ€chtlichenWege.â
(LDM21)
DieNacht brach an. Eine Sternen- undMondnacht voll zarter, unirdischer Schönheit.
ĂberdenSternenlageswieeinFlorvonfernenStrahlen,dieLuftwarunbewegtundhatte
einenganzleisen,kĂŒhlenHauch.EswareineNachtfĂŒrLiebende.Eswar,umwunschlos
ingeöffneteArmezuversinken.Eswar eineNacht, inder jedesHerz ein zweitesHerz
suchteundinderdieSeelenderEinsamenschrienvorSchmerz. (LDM133)
AberauchdasAngst steigerndeMomentderDunkelheit zieht sichbeiFeld-
mannals immerwiederkehrendesMotivsowohldurchihreRomanealsauch
ErzÀhlungenundFeuilletons:
EswartiefinderNacht.Er[Laich,Anm.v.m.]hatteLichtgemachtunddannwiederdun-
kel.Erfingan,nachzudenken; ihmwarelendzumute. In schlaflosenNĂ€chtenkommen
GedankenderZerknirschung. In schlafloserNacht schreitmansicherbarmungslos ins
Gesicht,wermanist.ManfĂŒhltalleseineKrankheiten,wiesieinFleischundBeinsitzen,
undman fĂŒhlt seinLeidenschĂ€rfer;mannimmtseinAlternwahrâalles Seelendunkel
tritt einemvordieAugen. (LDM196ff.)
741 Dies.:Entartung. In:NWJNr.:9153.27.04.1919.S. 8â9.Hier:S.Â
9.
742 Dies.:MitvierzehnJahren. In:AZNr.:95.06.04.1927.S. 21.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
back to the
book Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit"
Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien