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RaumalsâklarsteDokumentierungrealerKrĂ€fteâ 235
Schulter, ichhabedieAugengeschlossenundbin glĂŒcklich, als hĂ€ttemich
einĂŒberirdischesWesen,GeistoderEngel,miteinemSegensspruchbegnadet
[âŠ].â (MUA300ff.)âoderaberdesunertrĂ€glichstenZwanges.
AlssolchenempfindetMarthazumBeispieldieNĂ€hederglĂŒcklichenMĂŒtter
mit ihrenKindern in derAnstalt, wo sieAntonias kleineTochter besucht:
âIchkannnicht hingehen [âŠ]. Ichkannesnicht ertragen [âŠ].Widerliche
Weiber, wie dieKĂŒhe sind sie, sie gebenMilch und sind zufrieden, kauen,
umMilchundWĂ€rmezugeben. SiewerdennichtmĂŒde, davon zu reden.â
(MUA154) Empfinden es Köchin und StubenmÀdchen in demFeuilleton
Von âGnĂ€digenâ und âDienstbotenâ,diegemeinsamineinerKammer schlafen
mĂŒssen,alsâqualvollundstörend,soengnebeneinanderzuhausenâ,761 so lernt
JustinesVaterâ[i]nderEnge[âŠ]seinWeibhassenâ(LDM147).Qualvoll istdie
erzwungeneNĂ€heauchfĂŒrdie ineinemRaumzusammengepferchtenAlten,
dieFeldmannin Infernobeschreibt:
EinehagereFraukommtansFensterimlangen,weiĂenHemdmitweiĂen,wirremHaar:
âIchwerdâdasFensteraufmachen,daĂdieLufthereinkann, ichkriegsonstkeinenAtem
in derNacht.â DieGelenkkranke jammert: âNicht, nicht, es zieht.â Die hundertjĂ€hrige
Kahlköpfige,dienochangezogenherumgeht, sagt: âFenster zumachen.âAllewollendas
Fenster zuhaben, nurdie eine, die anAtemnot leidet, nicht. Sie legt sichweinend aufs
Lager.762
SinneseindrĂŒcke
NebendiesenAuswirkungenrÀumlicherNÀhestreiftSimmelauchdenEinfluss
der Sinne aufdasmenschlicheMiteinander:Verglichenmitdemoptischen
Bild,das immereinenrelativ stabilenundkaumverÀnderbarenInhalt zeigt,
vermitteltdasOhreineâunendlicheFĂŒlledivergentesterStimmungen,Bewegt-
heiten,Gedanken,kurzdieganzePolaritÀtdessubjektivenwiedesobjektiven
Lebensâ763underzeugtdamiteineviel individuellereBeziehungalsdasSehen:
AuchichmuĂtemanchmalzuihmhinsehen,ichglaubte,seinGesichtvomflĂŒchtigenSe-
hengutzukennen,[âŠ]esisteinschönesGesicht,wieichnochkeinessah.DasWunder-
barsteistdochseineSprechstimme,weichundbehutsam,alsredeteermiteinerSchlum-
mernden,istes,wenneretwassagt.AllesdasmerkeicherstjetztundesĂŒberwĂ€ltigtmich,
alswÀreerderersteMann,denichsehe.Kaumhöreich,waserspricht,nurdiesamtartige
WĂ€rme,dievonseinerStimmeausgeht,die spĂŒre ich, siebetĂ€ubtmich. (MUA182)
761 ElseFeldmann:VonâGnĂ€digenâund âDienstbotenâ. In:AlexanderKluy(Hg.):ElseFeldmann.
TravestiederLiebeundandereErzĂ€hlungen.O.Â
a.: S. 90â97.Hier:S. 92.
762 Dies.: Inferno. In:NWJNr.:9297.21.09.1919.S. 8.
763 GeorgSimmel:SoziologiedesRaumes.O.Â
a.: S. 160.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien