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250 PoetikdesSchreibensvomRand
amweitenHorizont in JulinĂ€chtendie Sterne strahlenâalle diePaare aufnehmen, die
fĂŒr ihreLiebekeineHeimathabenâŠ798
Erschwertder fehlendeprivateRĂŒckzugsraumbereits einTreffen, so ist ein
gemeinsamesZusammenlebennahezuunmöglich:âHĂ€tteereineAnstellung,
Geld, eineWohnung,wĂŒrdeereinfachgesagthaben,bleibenwirzusammen.â
(LDM153)
DasâHausâalsAusdrucksozialerEnergien
BestimmtegesellschaftlicheVereinheitlichungensetztensich, soSimmel, in
bestimmte rÀumlicheGebildeum.SohabengesellschaftlicheVerbÀndewie
zumBeispielUniversitĂ€t,Klub,RegimentoderFamilie ihr âHausâ,womit sie
sichvonnicht lokalisierbarenVerbindungen,wieFreundschaften,politischen
Parteienu. À. unterscheiden.Dabei ist das âHausâ einerGemeinschaftnicht
nur alsmateriellerBesitz zu verstehen, sondern auchals âdieLokalitĂ€t, die
alsWohn-undVersammlungsstÀtteder rÀumlicheAusdruck ihrer socialen
Energien istâ.799 IndiesemSinn, soSimmel,hat eineGemeinschaftnichtnur
einHaus, sondern ist es,daesdenGesellschaftsgedankendarstellt, indemes
ihn lokalisiert.
Als solches trittdasHausbeiFeldmannzumeistnegativ inErscheinung,wie
z. B.:dasBordell imRomanMarthaundAntoniaââ[âŠ]wasfĂŒreinwiderliches
Haus,dasbuckligePflaster,eineRattespringtmirĂŒberdenFuĂ,dastrĂŒbeLicht
unterdemGlaszittert.â (MUA33)â,aberauchdieWohnungderFamilie: âIm
Zimmerstandennichtviel [sic!]Möbel [âŠ]. InderstockdunklenKĂŒchemit
einemschmalenFenster ineinenfurchtbarschmutzigenLichthofstandendie
zweizusammenlegbarenEisenbettenâ, indenenzuroptimalenAusnutzungdes
PlatzeseinegenaueâLiegeordnungâeingehaltenwerdenmuss: âDaswarmein
Elternhaus[âŠ].â(MUA21)EineĂ€hnlichbedrĂŒckendeAtmosphĂ€reherrscht in
MariannesZuhausewĂ€hrendderKrankheit ihrerSchwester: âDasHausnahm
miralleWĂ€rmeausdemHerzenunddasLichtausdenAugen.â(LZ2104)Auch
dieKinderderFamilieFehrenheithabenschlechteErinnerungenandasHaus
ihrerKindheit imGhetto.âDasHauswaraberauchdanach,daĂmaneshassen
muĂte.â800
PositiveGefĂŒhleverbindethingegenWottich imSchrei,denniemandhört!
mitderStubederFrauGeize,demTreffpunktderMenschenimGhetto: âHier
fĂŒhle ichmichsorechtsicher.ââDas istmeinzweitesHeim.â801
798 Dies.: Jute inSimmering. In:AZNr.:116.27.04.1928.S. 6.
799 GeorgSimmel:ĂberrĂ€umlicheProjektionensocialerFormen.O. a.: S. 210.
800 ElseFeldmann:DerSchrei,denniemandhört!O. a.: S.Â
96.
801 Dies.:DerSchrei,denniemandhört!O. a.: S. 55.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien