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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG140 Nikolaus den Bau, als er am 25./26. Juli 1803
an der Hochzeit von Botschaftssekretär Graf
Stefan Zichy (1780–1833) und Starhembergs
Tochter Franziska (1787–1864) in Twickenham
teilnahm, wo er laut Starhemberg ein überreiches
Geschenk übergab.
48 Vgl. Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher,
23. August 1803, in : ÖNB, Han, Ser. 197,
S. 129v.
49 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska, 2. Au-
gust 1805, in : MOL, FAE, P134, E, Nr. 792.
50 Vgl. MOL, FAE, P163, Fasz. 38, Nr. 690.
51 1793 wird bereits berichtet, dass ca. zwölf
Personen im Kohlebergbau arbeiten. Es wird
festgestellt, dass, obwohl in Wien Vorurteile der
Kohle gegenüber bestünden, hier dagegen bereits
sehr einträgliche Majoratseinnahmen gemacht
würden (Towson 1797, S. 40).
52 Vgl. Seedoch 1967, S. 169ff.
53 Vgl. Sombart 1916/27, Teil 2, S. 1137–1155.
54 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska, 15.
Au-
gust 1805, in : MOL, FAE, P134, E, Nr. 793.
55 Vgl. Rechnungen von Franz Menden, in : EPA,
CD 1805/4034 ; DD 1807/2998. Vgl. Preßburger
Zeitung, 4. Juli 1806, Nr. 51.
56 Vgl. Amt der Burgenländischen Landesregierung
1993, Kat.-Nr. 20, 21, S. 182f.
Sofort nach der Rückkehr des Fürsten aus England, am 23. August 180348, setzte
auf den Esterházy-Gütern ein Innovationsschub ein, den Nikolaus mit enormen
finanziellen Mitteln vorantrieb. So kamen Engländer auf die ungarischen Güter
und besichtigten die wachsenden Esterházy-Schafherden. Franzosen aus der Gas-
cogne kauften hier Zuchtmaterial49. Kultivierungsexperimente von amerikanischen
Nutzpflanzen, die erst seit Kurzem großflächig in Europa angebaut wurden, wie Ta-
bak und Mais (Kukuruz), wurden noch 1803 aufgenommen, als der Fürst in seiner
Herrschaft Kittsee begann, eine Tabakraffinerie einzurichten50. Damit versuchte er,
in seinem Machtbereich Profit aus dem wachsenden Bedarf an heimischen Genuss-
mitteln zu schlagen, da der englische Markt sich wegen des drohenden Krieges und
der von Frankreich verhängten Ausfuhrbeschränkungen langsam schloss. Nikolaus
bewies damit wirtschaftlichen Instinkt und große Spekulationsfreude.
Der bereits kurz vor seinem Regierungsantritt begonnene Braunkohleabbau auf
Esterházy-Land bei Ritzing und Sieggraben51 erhielt 1810 mit der Öffnung des
Neufelder Bergbaus neuen Aufschwung52. Fürst Nikolaus bewies damit sein großes
Bewusstsein für die Notwendigkeit neuer Technologien und Energieträger, um der
befürchteten Holzknappheit entgegenzutreten, die im späten 18. Jahrhundert als
drohende Gefahr eines zivilisatorischen Rückfalls gewertet wurde53.
Auch die Ideen und Pläne um die bessere Nutzbarmachung des fast gänzlich
zum Besitz der Esterházy gehörenden Neusiedler Sees verdichteten sich. So wur-
den ab 1805 Frachtschiffe entwickelt, die die Herrschaften und Anbauflächen im
Seewinkel über den Wasserweg an die Handelswege nach Wien anbinden sollten.
Nikolaus beauftragte daraufhin den Wiener Bootsbauer Franz Menden54 zum Bau
von Frachtschiffen55. Die segelfähigen Lastschiffe folgten in der Bauart den flachen
sogenannten Ewern in Ostfriesland und den Elbmarschen, die auch in den Flach-
wasserregionen der Themse und der englischen Nordseegebiete eingesetzt wurden56.
Besonders erfolgreich waren die frühindustriellen Beteiligungen des Fürsten ab Modell der Eisenstädter Dampfmaschine von
David Watson aus London, Modellbau von
Dietrich Langenreiter (1774/78–1812). Technisches
Museum, Wien (vormals Modell-, Plan- und
Instrumentensammlung Eisenstadt, dann
Modellensammlung des k. k. Polytechnischen
Instituts Wien).
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Subtitle
- Biografie eines manischen Sammlers
- Author
- Stefan Körner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Size
- 23.0 x 28.0 cm
- Pages
- 404
- Category
- Kunst und Kultur