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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Page - 141 - in Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers

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Der Fürst sammelt in London Innovationen 141 57 Ehem. Joseph Hafnerische Tuchfabrik, die Nikolaus II. 1803 mit einer Fabriksbefugnis nach deren Zusammenbruch infolge des Wegfalls der Kontinentalsperre übernahm (vgl. NÖ LaA, A-Indices in Kommerzsachen, 1803, Auskunfts- schema Wien, 1797, 1798, Joseph Haffner). Vgl. auch Schmidt 1979. 58 Vgl. Rager 1918. 59 Interimsscheine, Investitionen in die Garnma- nufakturshauptkassa von 1802 bis 1807 ; Ge- winnabrechnung 1817 von 19.351 Gulden (vgl. MOL, FAE, P163, Fasz. 14, Nr.  355). 60 Vgl. Zinzendorf 1972, S.  139 (20. Juli 1802). Vgl. Bright 1818, S.  339f. Antrag Thorntons auf Nutzung des Schlosses Pottendorf, in : EPA, CD 1803/2448, 25. September 1803. 1802 hatte das Bankhaus Fries ebenfalls mit englischem Know- how in Schwandorf nahe der Wiener Neustadt eine Baumwollspinnerei nach englischem Vorbild errichtet (ab 1804 k. k. priv. Spinnfabric- societät). 61 Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher, 17. Sep- tember 1807, in : ÖNB, Han, Ser. 199, S.  54v. Später als k. k. privilegierte Garn-Manufaktur- Gesellschaft zu Pottendorf bis 1979 bestehend (vgl. Hertzka 1989, S.  267ff.). 62 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska, 5. Sep- tember 1803, in : MOL, FAE, P134, E, Nr.  773. 63 Vgl. Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher, 1.  Dezember 1803, in : ÖNB, Han, Ser. 198, S.  1v. 1803 an der Wiener Neustädter Tuchfabrik, die Nikolaus als besonders spekula- tionsfreudig auszeichneten57. Zusammen mit der Oktroyierten Wiener Leih- und Wechselbank, die unter der Ägide der Häuser Schwarzenberg, Colloredo-Mansfeld und Nostitz eine oftmals dubiose Gründer- und Finanzierungstätigkeit entfaltete, da offene Kapitalgeschäfte von Aristokraten als standeswidrig angesehen wurden58, hatte sich Nikolaus Esterházy schon vor der Londonreise an der Gründung einer Baumwollspinnerei in Hernals bei Wien beteiligt. Die als Aktienkonsortium be- triebene Fabrik engagierte 1801 John Thornton (1771–1847) aus Manchester, um auf englischen Spinnmaschinen westindische Baumwolle zu verarbeiten. 1802/03 übersiedelte die Fabrik – von Nikolaus finanziell unterstützt59 – nach Pottendorf in Niederösterreich60. Dependenzen des wachsenden Industriestandor- tes siedelten sich in Stinkenbrunn und Hornstein, also in den nahen ungarischen Esterházy-Herrschaften, an, wo die fürstliche Schafwolle verarbeitet wurde. Thorn- tons Innovationen und neue englische Maschinen »erregt[en] das größte Erstau- nen«61, weil sie in Österreich bisher unbekannt waren. Nikolaus förderte all dies leidenschaftlich finanziell, bewies aber, dass die eigent- liche frühindustrielle Entwicklung von der neuen bürgerlichen Schicht ausging und den autokratischen Innovationsmotor nicht in der Aristokratie fand. Damit entging dem Fürsten die anschließende ökonomische Ausbeutung, die eine reiche bürger- liche Unternehmerschicht aufsteigen und den Adel in seiner überkommenen öko- nomischen Vormachtstellung bedrohen sollte. Einstweilen versuchte Fürst Niko- laus den Spagat zwischen standesbewusstem Auftreten und weltoffenem Innovator. Augenscheinlich wurde diese vorsichtige Modernisierung des Adels in Österreich auch am Wandel eines der angestammten Prestige- und Machtdarstellungsmittel, der Fortbewegung zu Pferd und im Wagen. Hier wurde 1803 Englands Einfluss für Nikolaus maßgeblich, als er sich in London gekaufte Kutschen62, darunter einen leichten und wendigen Caricle, senden ließ, der das Neueste vom Neuen war. Das Londoner Handelshaus Haldits sandte die Wagen, und im Dezember 1803 kamen dann sogar Pferde aus England63. Selbst die anscheinend etwas biedere Fürstin Ma- Wasserklosettstuhl, Planzeichnung, um 1810. Ungarisches Nationalarchiv, Budapest, Familienarchiv Esterházy, Plansammlung.
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Subtitle
Biografie eines manischen Sammlers
Author
Stefan Körner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Size
23.0 x 28.0 cm
Pages
404
Category
Kunst und Kultur
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