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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG174 140 Basedow, Johann Bernhard : Für Cosmopoliten et-
was zu lesen zu denken und zu tun. Ansehung eines
in Dessau zu errichtenden philantrop. oder päda-
gog. Seminars von ganz neuer Art die schon sehr alt
sein sollte, Leipzig 1775 ; Bruiningk, Heinrich
Friedrich von : Bemerkungen über das landwirt-
schaftliche System der Herzoglichen Oekonomie zu
Wörlitz, Dessau/Leipzig 1808 (beide bis heute
in Esterházy Privatstiftung, Schloss Eisenstadt,
Fürstliche Bibliothek).
war Pottendorf an die vier bereits bestehenden Fasan- und Tiergärten um Eisen-
stadt angebunden. Im Leithagebirge wurden Alleen und Promenadenwege ange-
legt. Diese verbanden die neuen Forst- und Jägerhäuser und kleine Schlösschen,
die wiederum von kleinen Garteninseln mit exotischen Bäumen umgeben waren.
Flüsse und Bäche sollten umgeleitet oder angelegt werden. Die pittoresk in der
Landschaft verteilten barocken Klosteranlagen wurden mit fürstlichen Absteige-
quartieren ausgestattet. Andere Bauten, wie das Badhaus, dienten dem Plaisir und
gaben der Landschaft reizvolle Ansichten, sogenannte Vues. Die repräsentative Re-
sidenzstadt Eisenstadt sollte durch neue Nutzbauten des Hofes und Stadttore auf-
gewertet werden. Obstgärten, botanische Versuchsflächen und Plantagen galten als
ökonomisch sinnvoll und ästhetisch reizvoll, waren schön und nützlich. Selbst die
frühindustriellen Anlagen wurden ästhetisch nobilitiert und von Gärten umgeben.
Damit wiesen die Eisenstädter Pläne – genauso wie die gleichzeitig ausgebauten
Anlagen um Eisgrub und Feldsberg – die Elemente einer großen Kulturlandschaft
auf, wie sie im mitteldeutschen Gartenreich von Anhalt-Dessau epochemachend
und für ganz Europa vorbildhaft ab 1764 entstanden waren.
3.7 Wörlitzer Visionen als ideengeschichtliche Grundlage
Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) hatte, ausge-
hend von den englischen Ideen der ornamented farm, in Mitteldeutschland einen
Musterstaat geschaffen, der – ganzheitlich gedacht – nachhaltige Ideen für Infra-
struktur, Land- und Forstwirtschaft sowie Landschaftsgestaltung umsetzte. Diese
Initiativen eines souveränen Landesherrn erwiesen sich für Eisenstadt wie Eisgrub
in vielerlei Hinsicht als vorbildhaft.
Ausgehend von der fürstlichen Sommerresidenz Wörlitz bei Dessau war dort
eine Kulturlandschaft entstanden, in der landwirtschaftliche Flächen durch klassi-
zistische Nutz- und Residenzbauten, kleine Garteninseln und mehrere große Land-
schaftsgärten verschönert wurden. Daneben war das Gartenreich des Fürsten Franz
besonders berühmt für seine Versuchs- und Demonstrationsflächen moderner
Landwirtschaftsmethoden, die Obstbaumplantagen und die exotischen Nutz- und
Zierhölzer aus aller Welt, die Besucher aus Europa anlockten und den Grundstock
der Liechtenstein-Treibereien bildeten, die über Eisgrub auch nach Eisenstadt
gelangten. Damit erreichten auch die Ideen und Visionen des ganzheitlichen Er-
neuerungsprogrammes des aufgeklärt-absolutistischen Kleinstaates Österreich und
seine Grundbesitzer.
Fürst Nikolaus II. war zwar nie in Wörlitz, wanderte jedoch zusammen mit
Louise von Anhalt-Dessau, der Gattin des Gartenfürsten, durch Rom und hatte
in seiner Bibliothek Schriften, die die Ideen der Anlage darstellten140. Auch war
sein Herrschaftsgebiet in Ungarn kein souveräner Staat wie Anhalt-Dessau. Jedoch
verfügte Esterházy über finanzielle, administrative und rechtliche Mittel, die es ihm
erlaubten, frei zu gestalten. So konnte Nikolaus II. bei der Umsetzung seiner Pläne
durchaus gleichwertig die ästhetischen und ökonomischen Errungenschaften von
Wörlitz rezipieren. Neben den erwähnten gärtnerisch-nobilitierten Landschafts-
nutzungen waren es vor allem die volkswirtschaftlichen Bildungsideen in Form von
Schaugärten und der Forstwirtschaftsschule, die Nikolaus nach Wörlitzer Muster
einzuführen versuchte. Damit wurde seine Gestaltungslust mit Ideen von Men-
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Subtitle
- Biografie eines manischen Sammlers
- Author
- Stefan Körner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Size
- 23.0 x 28.0 cm
- Pages
- 404
- Category
- Kunst und Kultur