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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Page - 175 - in Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers

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Der Fürst gründet einen Musenhof 175 141 Das Analysieren der Ideale und Ziele der Bil- dungseinrichtungen wäre Teil erweiterter For- schungen. 142 Schwarz 1982, S.  44. 143 Die nachfolgenden Großprojekte von Land- schaftsumgestaltungen in der Mitte des 19.  Jahrhunderts spiegeln den Geist der politi- schen Restauration wider und sind als arkadi- sche Traumlandschaften Produkte neofeudaler Gestaltungsfreude, wie Feldsberg-Eisgrub oder die Hinterbrühl unter Johann I. Liechtenstein (bis 1836), die Umgestaltung der Havelland- schaft um Potsdam unter Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (ab 1840) oder in Muskau unter Fürst Hermann von Pückler, in denen die Nütz- lichkeit zugunsten der Schönheit unterminiert wurde. 144 Auch wenn dies nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass sein gewohntes und von den Vätern ererbtes Prestigegehabe immer großen Raum eingenommen haben dürfte. schenfreundlichkeit und Weltverbesserung kombiniert, wie es auch der Vision von Dessau-Wörlitz oder Eisgrub-Feldsberg und den dortigen Bildungsinitiativen ent- sprach141. Volksbildungseinrichtungen, die der Öffentlichkeit offenstanden, frühin- dustrielle Anlagen und wissenschaftliche Bemühungen halfen, den Garten nicht als bloßes Prestigemittel der Herrschaftsschicht in Verruf zu bringen, was in Dessau und Eisenstadt natürlich auch der Fall war. Waren die Gärten von Dessau-Wörlitz eine ideal erträumte Kulturlandschaft zur Gesellschaftsverbesserung und Geschmacksbildung, so war die Eisenstädter Kulturlandschaft ab 1803 schon deutlich ärmer an ideellen und volkswirtschaft- lichen Einrichtungen und setzte stärker auf die ästhetischen Qualitäten der durch klassizistische Nutzbauten ästhetisch nobilitierten Landschaft. Beide Gartenland- schaften hörten 1812 etwa gleichzeitig auf zu wachsen, da die Koalitionskriege die Fortführung der fürstlichen Reformideen verhinderten. Die anschließende Restau- ration schien diese sogar unnötig zu machen, da die Machtposition der souverä- nen Fürsten erneuert und gestärkt worden war. Nur die riesenhaften Anlagen der Liechtenstein in Feldsberg-Eisgrub wurden auch nach 1812/15 mit großem finan- ziellem Engagement als gestaltete Landschaften weitergeführt, entbehrten jedoch immer mehr der Wörlitzer Mustergültigkeit genauso wie der Eisenstädter Ansätze einer ganzheitlichen Kulturlandschaft, wo neben ästhetischen auch botanische und landwirtschaftliche Bildungsgedanken umgesetzt wurden. Die Eisgruber Gärten spiegelten später schließlich nur noch die »uneingeschränkte romantisch-feudale Gestaltungsfreude«142 wieder. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sollte sich die nützliche Kulturland- schaft insofern nicht als ideengeschichtlich einflussreich erweisen. Es blieben zu teure und feudal groß gedachte Experimente aufgeklärter Absolutisten143. Fürst Nikolaus II. begann seine Kulturlandschaft 1803, noch vor den verhee- renden Niederlagen Österreichs, Preußens und Russlands gegen Napoléon in den Schlachten von Austerlitz und Jena-Auerstedt (1805/06). Der Zerfall des deutschen Reiches schien noch nicht ganz besiegelt. Vielleicht erhoffte Nikolaus, der bei sei- nen Initiativen und Käufen in London und Paris Weitblick und Gespür bewiesen hatte, durch seine Verbesserungen auf seinem Herrschaftsgebiet die nötige Refor- mierung des Staatenwesens ein Stück vorantreiben zu können. Vielleicht hoffte er auch, in der Fortführung ständischer Machtgesten (Schloss, Fest, Pomp) zusam- men mit aufgeklärten Initiativen (Bildung, Landesentwicklung, bürgerliches Zu- rückziehen) die Daseinsberechtigung seiner Oberschicht weiter bewahren und de- monstrieren zu können. Dieses scheinbar liberale Miteinander konnte der Fürst am besten in der ganzheitlich gedachten, absolutistisch-aufgeklärten Kulturlandschaft darstellen. Denn seine gestalterischen, bildsamen, ökonomischen und strukturellen Initiativen nach 1803 waren mehr als bloße Selbstinszenierung. Auch Nikolaus II. träumte von der Verbesserung der Welt, die durch den Idealismus der Aufklärung entfacht worden war, dem auch er sich nicht verschließen konnte144. 4. Der Fürst gründet einen Musenhof Die bauliche Eisenstädter Kulturlandschaft war also nach einer Phase des Experi- mentierens und Suchens ab 1803 im Entstehen und stand in ihrer Größe in nichts der prunkvollen Hofhaltung des fürstlichen Großvaters nach. Genauso wie Niko-
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Subtitle
Biografie eines manischen Sammlers
Author
Stefan Körner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Size
23.0 x 28.0 cm
Pages
404
Category
Kunst und Kultur
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