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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG176 145 Freuden-Gefühl. Eine Cantate. Gesungen im
hochfürstlichen Schlosse zu Eisenstadt, bei der Ge-
legenheit der hohen Rückkunft des durchlauchtigst
hochgebohrnen des Heil. Röm. Reichs Fürsten und
Herrn Herrn Nicolaus Esterházy von Galantha &c
&c &c. In Musik gesetzt von Johann [Nepomuk]
Fuchs, Eisenstadt 1803. Text von Joseph Karl
Rosenbaum (vgl. EPA, CC 1803/300).
146 Vgl. ehem. EPA, GC 1804, Fasz. 15, Nr. 3039
und CD 1804/3339, 20. September 1804, zit.
in : Meller 1915, Quellenteil :Nr. 85.
147 Österreichische National-Encyklopädie 1835,
S. 82.
laus I. 1764 nach seinem aufsehenerregenden Frankfurter Auftritt von Haydn mit
Evvia il nostro Prence, che il mondo fa stupir ! empfangen werden sollte, hatte der Hof
Nikolaus II. 1803 nach der so wichtigen Paris-London-Reise mit der Festkantate
Freudengefühl willkommen geheißen145. Die Reise war neben den Initiativen zur Ei-
senstädter Kulturlandschaft auch Ausgangspunkt der Gründung eines Musenhofes,
in dem Theater, Oper, Kirchen- und Kammermusik, Festlichkeiten und vor allem
Kunstsammlungen zu nie gesehenen Höhenflügen in Größe, Kosten, Fortschritt-
lichkeit und Qualität ansetzen sollten. Auch hier war die Fülle der künstlerischen
Initiativen Nikolaus’ II. so dimensioniert, dass sie sich mit dem Kulturleben eines
deutschen Kleinstaates zu messen schien.
Nikolaus plante Großes, und hierfür benötigte er gute Mitarbeiter und Kenner,
die er auf der Reise begonnen hatte anzuwerben. Während der Architekt Charles
Moreau mittlerweile alle fürstlichen Bauprojekte lenkte, war der Kupferstecher Jo-
seph Fischer am 20. September 1804 vom Fürsten zum Inspektor der Bildersamm-
lung und des Kupferstichkabinetts ernannt worden146. Gleichzeitig traten der um-
jubelte Klaviervirtuose Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) aus Pressburg als
Kapellmeister und der bei Goethe unterrichtete Schauspieler und Sänger Heinrich
Schmidt (1779–1857) aus dem deutschen Musenfürstentum Weimar als späterer
Theatersekretär in Esterházy-Dienste. Für die Bibliothek gelang es Nikolaus II.,
den ebenfalls in Weimar ausgebildeten Ludwig Wieland (1777–1819), den Sohn
Christoph Martin Wielands, anzuwerben. Dieser international bekannte und ge-
schätzte Expertenkreis institutionalisierte die Verwaltung der Bauagenden, den
Ausbau und die wissenschaftliche Erforschung der Kunstsammlungen sowie die
Weiterentwicklung der Hofmusiktradition Esterházys. Schon die Österreichische
National-Encyklopädie von 1837 hob hervor, dass der Fürst seine Kunstvisionen
neben enormen finanziellen Mitteln und mit rasantem Tempo »nach dem Rath
bewährter Kenner«147 umzusetzen verstand. So legte Nikolaus II., wie bei jedem
seiner Projekte, binnen kürzester Zeit in den Jahren nach 1803 die Grundzüge
seiner kulturellen und künstlerischen Formen- und Ideensprache mit viel Gespür Kunstkäufer, Federzeichnung von Pietro Faccini
(1575/76–1602), 1587–90. Museum der Schönen
Künste, Budapest, Grafische Sammlung (vormals
Sammlung Praun, dann Esterházy).
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Subtitle
- Biografie eines manischen Sammlers
- Author
- Stefan Körner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Size
- 23.0 x 28.0 cm
- Pages
- 404
- Category
- Kunst und Kultur