Page - 181 - in Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Der Fürst gründet einen Musenhof 181
157 Vgl. EPA, CD 1804/3916, 20. Oktober 1804.
158 Grafik- und Gemäldeankäufe lassen sich in
erster Linie beim internationalen Kunst- und
Auktionshaus Domenico II. Artaria (1765–
1823) in Mannheim, in dessen alter Haupt-
niederlassung Artaria unter Domenico III.
Artaria (1775–1842) und bei den ebenfalls in
Wien ansässigen Händlern Tranquillo Mollo
Comp. (zu den Wiener Kunsthändlern siehe
Dossi 1991), Martin Deisler, dem Kunst- und
Industriecomptoir, H. Massinger, Martin Frey
und Franz Xaver Stöckl nachweisen. Einer der
wichtigsten Kaufpartner war Johann Friedrich
Frauenholz in Nürnberg, der auch im Auftrag
Fischers bei der Leipziger Messe steigerte und
kaufte. Aber auch das venezianische Handels-
haus Lanfranci und der Pariser Händler Joseph
Drapeau kommen in den vielfältigen erhaltenen
Akten und Rechnungen zu Ankäufen vor.
159 1804 : Natorf, Reger ; 1806 : Graf Armand-Louis
de Mestrel de Saint-Saphorin.
160 Vgl. EPA, CD 1814/1561, 1814, Juli, August
1814, der bestätigt, dass 1808 Bilder von Ge-
niceo an Nikolaus II. verkauft wurden. Dürer, Hans Baldung Grien, Augustin Hirschvogel und Wolf Huber sowie toskani-
sche und römische Zeichner des 16. Jahrhunderts, ins Esterházy-Kupferstichkabi-
nett. Nikolaus’ grafische Sammlung war auf diese Weise binnen zwei Jahren so sehr
angewachsen, dass sie sich mit den wichtigsten Kollektionen dieser Art in Europa
messen konnte, die allerdings eine ungleich längere Sammlungsgeschichte hatten.
Auch den durch die großen römischen Kunstkäufe selbst gelegten Grundstock der
Gemäldesammlung ließ Fürst Nikolaus ab 1803 durch Fischer fachmännisch kon-
tinuierlich erweitern. Dessen Fachurteil vertraute der Fürst so sehr, dass er ihn die
Bilder für die Galerie meist allein aussuchen ließ.
Der engagierte Galerieleiter nahm recht schnell nach Dienstbeginn nochmals
alle anderen Gemäldebestände des Majorats »unter die Lupe«, wählte aber nur 28
Bilder aus der Galerie von Nikolaus I. in Eszterház für die neue Sammlung aus157,
denn zu minderwertig waren im Grunde die Werke der großväterlichen Kollektion.
Wichtiger waren stattdessen die Käufe über das Agentennetzwerk, das Fischer über
ganz Europa aufbaute bzw. das sich wegen des entschlossenen Ankaufswillens des
Fürsten rasch von »von allein« bildete158. Und die Zeit war günstig für Kunstkäufe,
da der europäische Markt infolge der napoleonischen Umwälzungen mit Plünde-
rungen, Zwangsverkäufen und der Auflösung alter Sammlungen mit hochkarätigen
Werken überschwemmt wurde.
Partner für Vermittlungen und auch zuständig für die Restaurierung von Ge-
mälden der neuen Sammlung war der Wiener Schätzmeister, Maler und Sammler
Adam Braun (1750–1827), der ebenso andere aristokratische Sammlungen beriet.
Auch bei Versteigerungen159 oder Ankäufen von Privatpersonen, wie dem Grafen
Fries oder dem Sammler Graf Alois Geniceo160, wurde der Bestand der Esterházy-
Galerie rasant erweitert. So kamen binnen sieben Jahren Werke von Ghirlandaio,
Strozzi, Reni, Crespi, de La Hyre, Rubens, van Dyck, Jordaens, Rottenhammer,
Brueghel und anderen Malerberühmtheiten in die Gemäldekollektion.
Fischer, Kunst betrachtend, in seinem Arbeitszimmer
in Schloss Pottendorf, Federzeichnung von Joseph
Fischer (1769–1822), 1808. Akademie der Bildenden
Künste, Wien, Grafische Sammlung (Nachlass
Vinzenz von Eisen).
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Subtitle
- Biografie eines manischen Sammlers
- Author
- Stefan Körner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Size
- 23.0 x 28.0 cm
- Pages
- 404
- Category
- Kunst und Kultur