Page - 183 - in Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Der Fürst gründet einen Musenhof 183
167 Vgl. ehem. EPA, CD 1808/1940, 2874, 5649,
März–November 1808, zit. in : Meller 1915,
Quellenteil : Nr. 180, 193, 206, 207.
168 Ihre Nachstiche der Bilder der Esterházy-
Galerie wurden später im Wiener Taschenbuch-
periodikum Aglaja publiziert (vgl. Gonda 2000).
169 Auch die vergleichsweise neuen Sammlungen
des reichen Grafen Fries oder seines künstleri-
schen Mentors Lamberg-Sprinzenstein hatte
Nikolaus schnell in den Schatten gestellt.
170 Schreiben Carl Maurers an Nikolaus II.,
29. August 1803, ehem. EPA, CD 1803/3942,
zit. in : Meller 1915, Quellenteil : Nr.
66.
171 Schreiben Carl Maurers an Nikolaus II.,
29. August 1803, ehem. EPA, CD 1803/3942,
zit. in : Meller 1915, Quellenteil : Nr.
66.
172 Vgl. EPA, CD 1804/3417, 3524, 3761, 4283
(September–November 1804).
173 Vgl. Galerieordnung, EPA, CD 1806/5132, o. D.
174 Vgl. Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher,
17. September 1807, in : ÖNB, Han, Ser. 199,
S.
54v.
175 Die Galerieidee für das Pottendorfer Schloss
entstand gleichzeitig mit dem Plan Fürst Aloys
Liechtensteins, in dessen Gartenpalais in der
Wiener Rossau ein »vollständiges Museum«
einzurichten und die Bildersammlung zusam-
men mit Gipsabgüssen von den bekanntesten
Skulpturen und von Antonio Canova auszustel-
len (vgl. Franz Diepholz an Aloys I., September
1804, in : HAL, Hofkanzlei, Sig. R-7/35). Das
Palais adaptierende Bauarbeiten sind schon
zwischen 1793 und 1801 nachzuweisen (vgl.
Wilhelm 1990, S.
110), also in der Zeit der
Galerieplanungen für Nikolaus II. von Thomas
de Thomon.
176 Der in der Esterházy Privatstiftung erhaltene,
Tausende Zettel umfassende Katalog verzeich-
net alle Bestände nach thematischen Schlag-
worten und Künstlern. Es folgen die genaue
Beschreibung des jeweiligen Blattes, Hinweise
auf gemalte Vorlagen, Varianten und die Ka-
tegorisierungen nach Schulen und Angabe des
Standortes. Besonders bedeutend sind die Hin-
weise über Echtheitsbeweise, Wertungen wie
»très rare« oder der Hinweis auf die Erwähnun-
gen in Adam von Bartschs großem Grafikkata-
log von 1807. Zuständig für diese Arbeiten war
unter Fischers Anleitung Bibliotheksactuarius
Ludwig Wieland, der jedoch bald nur noch mit
Arbeiten in der fürstlichen Bibliothek betraut
wurde (vgl. ehem. EPA, CD 1808/2284, 30. Mai
1808, zit. in : Meller 1915, Quellenteil : Nr. 188). schen Mai 1808 und 1811 Stipendiaten, die von Joseph Fischer im Kupferstichka-
binett und der Bildersammlung unterrichtet wurden. Die hier entstandenen Repro-
duktionsstiche der Galeriebestände167 dokumentierten die Sammlung und machten
sie durch Publikationen bekannt168.
Der Zeitraum ab 1803 war mit den Ankäufen für die fürstliche Gemälde- und
besonders die Kupferstichsammlung die Glanzzeit, denn parallel zum Ausbau der Re-
sidenz Eisenstadt zu einer Kulturlandschaft wurde eine weder Kosten noch Mühen
scheuende Ankaufs- und Ausbaupolitik betrieben. Das, was fürstliche Sammlungen in
Wien über die Jahrhunderte angesammelt, bestellt und beauftragt hatten, holte Niko-
laus II. nun in Windeseile nach. Seine modernen Sammlungsmethoden und angewor-
benen Experten hoben ihn jedoch aus der althergebrachten Prestigegewinnform des
Sammelns heraus und ließen ihn als innovativen Erneuerer und Kenner innerhalb der
fürstlichen Sammler erscheinen. Mit gewaltigen Finanzmitteln katapultierte Niko-
laus
II. bis 1806 seine Kunstsammlungen in die Reihe der wichtigsten aristokratischen
Kollektionen des Kaiserreiches Österreich, wo sie mit seinem Schwager Fürst Johann
I.
Liechtenstein und dessen Galerie um den ersten Platz buhlte169.
Was nun noch fehlte, war ein geeigneter Ort, die Schätze auch adäquat zu prä-
sentieren. Schon im August 1803 hatte Nikolaus’ Hofkammermaler Carl Maurer
in einem Initiativschreiben angeregt, die Bestände der Bildersammlung, die pro-
visorisch im Eisenstädter Kanzleigebäude aufbewahrt wurden, zu verlagern und
an geeignetem Platze aufzustellen, da sie von einer »vernachlässigten Conservi-
rung«170 seien. Denn viele Gemälde standen aus Platzgründen in dem Saal, in dem
die Bauzeichner gerade begannen, die Pläne für den architektonischen Umbau der
Residenz zu entwickeln. Deshalb hatten ihnen Schmutz und unsachgemäße Aufbe-
wahrung Schäden zugefügt. Bis das Schloss und die geplante Galerie gebaut waren,
musste nun eine Interimslösung her, die in Schloss Pottendorf gefunden wurde. Es
galt hier, zu »Zusammenziehung aller Gemälde eine Kunst Gallerie zu errichten,
die zum Vortheile mancher Künstler besucht und bewundert werden kann«171. Ei-
lends wurden also in diesem privaten Wohnsitz vierzehn Räume im Obergeschoss
für eine Galerienutzung umgebaut. Dabei entfernte man Öfen und Türen, um Hän-
gefläche zu gewinnen, und bespannte die Räume mit Leinwandspalier172. Schon
im Sommer 1806 war die Pottendorfer Galerie weitgehend fertiggestellt. Es wur-
den ca. 350 Gemälde nach den üblichen didaktischen Kriterien der Malerschulen
ausgestellt und eine Benutzungsordnung erlassen173. Vorerst war die Galerie aller-
dings nur für ausgewählte Gäste und fürstliche Beamte geöffnet174. Denn die erste
Esterházy-Galerie blieb Interimslösung an einem privaten Wohnsitz und sollte erst
im eigenständigen Museumsflügel des Eisenstädter Schlosses zusammen mit den
anderen Sammlungen vom Ruhm der fürstlichen Kunstkenntnis künden175.
Während die so schnell angewachsene Galerie einstweilen im Pottendorfer
Schloss eine Heimstatt fand, verblieb die fürstliche Grafiksammlung, ebenfalls nach
den erwähnten Maßstäben der wissenschaftlichen Erfassung neu verzeichnet176, als
Teil der fürstlichen Bibliothek zunächst in Wien.
4.2 Bibliothek
Die Büchersammlung Nikolaus’ II. war 1803 in nun acht Jahren des Sammlertums
stark angewachsen und befand sich zusammen mit der Kupferstichsammlung im
Palais der ungarischen Leibgarde in Wien (Gartenpalais Trautson), das Nikolaus
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Subtitle
- Biografie eines manischen Sammlers
- Author
- Stefan Körner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Size
- 23.0 x 28.0 cm
- Pages
- 404
- Category
- Kunst und Kultur