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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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160 Tagebuch 1937/3 22. [Juli] Abends Torino, im Freien, auf Calama- retti fritti wartend. Die 9. Grenze über- standen. (Sie war ähnlich übel wie die meisten auf dieser Reise : wir mußten, obgleich wir in einem direkten Wagen saßen, mit d. ganzen Gepäck ausstei- gen.) Aber ich habe noch von gestern zu erzählen. Wir brachen am Nachmittag auf u. gingen zuerst in Edels „Ausstel- lung“ ; er hat wirklich große Fortschritte gemacht. Seine kleine Freundin ist uns beiden ausnehmend sympath[isch]. Wir tranken noch Kaffee in d. Rotonde u. fuhren dann per Taxi, mit Hängekof- fer zu Floch. (Diesen soll Stoffel nach- hause bringen). Die letzten Bilder (aus Italien) waren sehr fein, aber doch schon wie entseelt  – oder nur Seele wie entkör- perlicht ? Jedenfalls seltsam fragil, wie gläserne Träume. Interessiert hat uns, seine gemalten Landschaften mit den Zeichnungen dazu u. von ihm selbst auf- genommenen kleine Photos und  – An- sichtskarten zu vergleichen. Diese regen ihn besonders an. Auf einer alten Ansichtskarte von Ventimiglia ist ein Paar von hin- ten, das er genau (sogar mit d. Farben) u. an derselben Stelle ins Bild genommen hat ! Wir nachtmahlten zusammen u. fuhren dann in d. Louvre, wo wir d. Skulpt[uren] bei künstlichem Licht sahen. Es war sehr voll u. in manchem Saal sogar mehrere Füh- rungen zugleich im Gang. Die Nike ausgenommen, die lichtgetaucht gegen Schwarz erscheint, wie d. verhaßte Zwischenakt im Kino, ist das elektr[ische] Licht eigentl[ich] nur Tageslichtersatz. Es hat nichts mit d. Experimenten zu tun, die Goethe in d. Düs- seldorfer Kunstkammer beschreibt. Floch war ausnehmend nett ; er erzählte von ei- nem Traum, in dem ihm sein Vater erschien, der vor c. 30 Jahren †. Am nächsten mor- gen habe er bei einer Kletterpartie den Stein aus d. Ring herausverloren, den er nach d. Mutter Tod geerbt hat u. schon sein Vater getragen hat. Er ging d. Felsen zurück u. fand d. Stein auf einem Grasbausch blinken. Seither hat er erst d. Gefühl, daß er mit diesem Erbteil verwachsen ist  …23 Wir wollten noch Biertrinken u. ich schlug ein kleines leeres Lokal vor, an dem wir gerade vorüberkamen. Hans wollte aber in ein betuchteres gehen, weil er in d. leeren Abb. 43 : Ein Schreiben des Bildhauers Anton Hanak an „Hofrat Tietze“.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
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