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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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161 Tagebuch 1937/3 ein laues Bier vermutete. Floch sagte mir : „Wenn aber niemand hineingeht, muß er ja ein schlechtes Bier haben. Ich muß da immer an unser Geschäfterl denken u. geh ins leere Lokal hinein u. trink das laue Bier  …“24 Die Nacht war furchtbar. An sich schon kurz, wurde sie durch die vielen vergeblich läutenden u. an d. Haustür rüttelnden Heimkehrer gestört ; es war wieder die Reihe d. Nachtdienstes an der festen Schläferin. Diesmal hab ich zweimal interveniert. In vier Nächten waren zwei auf diese Weise gestört. Wir zahlten aber nur 25 fr[ancs] zusam- men, trotz Weltausstell[ung], die Wirtin hat unsern Hausmeisterdienst gewiß hinein kalkuliert. Heut war es ein kühler Morgen u. blieb kühl bis gegen Mittag ; so war der erste Reisetag in d. Süden recht glimpflich verlaufen. Die Landschaft ist wun- dervoll ; ganz in d. Horizontale mit dem See  –, die Pappeln auch nur d. Horizontale harmonisch ausgleichend  – und ganz Staccato, wenn man Frankreich verlässt u. aus dem Mont Cenis-Tunnel kommt. Hier in Italien fühl ich mich trotz u. trotz alldem  – fascismo, Spanien etc.  – in d. zweiten Heimat. Aber sie ist heiß, diese zweite Heimat. Heiß u. laut : Fantasia dell’ opera Boheme da Puccini  …25 24. [Juli] (Gestern  – Reisetag  – nicht zum Schreiben gekommen.) In Turin in d. Nacht hat es 32° gehabt ! (Mitteilung d. Hôtelportiers). Wir waren vergeblich ausgestiegen : der Bibliothekar, an den wir eine Empfehlung v. Planiscig hatten, ist in Frankreich ; er hat keinen Vertreter, die S[amm]l[un]g ist für Juli–August gesperrt. So hielten wir uns ein Stündchen in d. Pinakoteca Sabauda auf u. fuhren mit einem früheren Zug nach Venedig. Es war dreiviertel voll, d. h. bei uns im Coupé sechs Personen u. ein Bébé. Letzerem hatten wir d. schwachen Belag zu verdanken u. daß auch dieser zum großen Teil im Gang sich aufhielt. Wir ertrugen die Zwischenfälle mit Gleichmut, ja mit Wohlwollen. Erstens weil d. junge kupferhaarige Mutter ein schöner Anblick war, zweitens weil dieser Lebensüberschuß u. Natürlichkeit für uns ein Teil d. Südens ist. Eine Frau, die ihren Teil davon aufs Kleid oder auf d. Schuhe bekam, hatte mehr zu leiden als wir. Es war aber tatsächl[ich] d. Kreislauf des Wassers. In jeder Station trank d. Mutter Gazose oder aß Gelato ; in jeder Fahrt gab sie das Eingeschluckte in Form von Milch heraus u. das weitere tat dann d. Kind  … Fällt mir ein, daß zum Kreislauf der Übergang zum Gazose oder Gelato fehlte. Giovanni d. Diener holte uns am Bahnhof ab. Das Zimmer ist groß, mit Moskitonetzen u. verhältnismäßig ruhig. Wir machten noch einen Erkundigungsspaziergang nach d. Nachtmahl, ob alles am Platz war. Ja es war alles „am Platz“, d. Markuskirche u. die […].  –26 25. [Juli] Unsern ersten venez[ianischen] (gestern) Tag haben wir vormittag in d. Ausstell[ung], nachmitt[ag] in S[an] Rocco, dazwischen im Bett verbracht. Abends mit Ehepaar Gironcoli bei Floriani. Hans hat sich eine weiße Hose u. ich mir eine dunkelblaue
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
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