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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Page - 208 -
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208 Tagebuch 1938/1 neten Passanten nach seinem Verbleib gefragt u. nur von einem d. Auskunft bekom- men zu können : man hat es auf d. Corso Galileo Ferraris übersiedelt. Der war dann am andern Ende der Stadt, aber das Museum war nicht dort, sondern d. Galleria Moderna. Da es schon ¾ 12 war und d. Gal[erie] um 12 schloß, meinte ich, könne nicht viel riskiert sein, einen Blick hineinzuwerfen. Und ich ward belohnt genug ! Die fratelli Zuccato in d. Bleidächern Venedigs von 1858 für unsere S[amm]l[un]g kunsthistori[scher] Themen. Welch erfindungsreicher Geist war auf dieses Thema ge- kommen ! Schön auch aus d. 70ger Jahren eine lebensgroße Halbfigur d. jungen Beet- hoven : Er wirft die Hände herum (mit ganz langen Fingern, wie sie d. kleine Mann doch wohl nie gehabt hat) wie ein Liszt im höchsten Affekt und über d. harmlosen Knabengesicht steht die wilde Mähne, genau dieselbe wilde Mähne, die dann die späten Portraits zeigen. Jetzt ruh ich mich aus, Mittagspause. Dann zieh ich los in d. Palais Madama, wo d. Museo Civico jetzt wirkl[ich] sein soll, u. mit Schreibutensilien u. einem Buch ins Grüne  …54 Abends. Es war ganz interessant. Ein Kunstgewerbemuseum mit sehr viel Porzellan, Unter- glasmalerei, mit Skulpturen u. Malerei (vor allem von Defendente Ferrari). Nichts feines, aber sehr viel, wirklich auffällig viel Deutsches u. das alles aus d. Val d’Aosta. Z[um] T[eil] als deutsch erkannt, bei einem sehr charakterist[ischen] Bild aber als vläm[isch] (oder niederländ[isch]) bezeichnet. Es wäre ganz interessant, einen Auf- satz über diese deutsche Kunstenklave für  – für d. alte Z[eitschrift] f[ür] B[ildende] K[unst] zu schrei ben. Es waren Photos da, aber nicht das, was ich wollte. Übrigens kriegt man ja am Sonntag nichts. Vielleicht versuch ich es noch morgen, ich komme ja am Palazzo Madama vorüber. Dann bin ich im Park in d. Sonne gesessen u. hab dem Anderl geschrieben. Schließlich hab ich mir noch eine Postkarte f. d. Hans be- sorgt. Die geb ich heute noch auf  …55 7. [März] abends Ich bin immer noch in Turin. So viele Zeichnungen hab ich durchgeschaut u. interes- sante gefunden. Dem Prof. (Commendatore) Zucchi hab ich Kopien nach den beiden Palmazeichn[ungen] versprochen. Ich habe alle ital[ienischen] Schulen durchgesehen u. d. Deutschen und fast in jeder etwas für uns gefunden. Von 9 bis 5 mit kurzer Mittagspause gearbeitet. In dieser war ich beim Photogr[aphen] Comello, der krank war (Via Garibaldi 3), aber durch eine Mittelsperson mit mir verhandelte. Für eine 9 x 12 Aufnahme verlangt er 15 Lire, für eine 13 x 18 sogar 20. Prof. Zucchi meinte, daß wir selbst d. Aufnahmen machen könnten, es muß aber eine Eingabe durch d. österr[eichischen] Botschafter in Rom an d. König gemacht werden. Ich hab alles auf- geschrieben. Es war ein angenehmes u. weiterführendes Arbeiten. So bin ich auf ei- nen bologn[esisch]-röm[ischen] Maler gestoßen (Puppini), der ein Doppelgänger von
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
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