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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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Page - 216 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)

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216 Tagebuch 1938/1 mer u. Terrassen) eines u. bei jedem der 3 Fremdenzimmer auch eines. Es gibt auch einen Aufzug durchs Haus u. im Garten ein Wasserreservoir, das eine imponierende Wassermenge faßt. Und was sonst ? Teppiche Möbel u. Bilder, alles d. Geschmack d. Hausherrn bezeugend. Es ist kein einziger Gegenstand, der nicht von ihm ersonnen u. bestellt wurde. Nun, ein Geschmack ist immer etwas, das nicht jedermanns Sache sein muß. Meiner z. B. ist anders als seiner. Aber es ist alles komfortabel u. reichlich geboten, und er hat eine wirklich empfundene ästhetische Freude dran  …68 Wir waren dann noch  – aufgeforderter Maßen  – auf d. Quästur, aber es war nicht d. richtige, wir müssen auf eine andre gehen, um unser Aufenthaltspapier zu bekom- men. Und schließlich nach heftigen Hemmungen in d. Hertziana. Wir sprachen nur Dr Schudt (Prof. Bruhns war bei einem Vortrag im Archäol[ogischen] Institut). Der dort gleichfalls angestellte Dr Degenhart bat uns, vorgestellt zu werden. Es war al- les eitel Liebe u. Griesschmarrn  – wir aber waren zurückhaltend wie nur möglich. Zuhause fanden wir direkte (vom Vogel, der fiebernd in Paris liegt) u. über Wien gelangte Post, die noch Stoffels Hand auf d. Umadressierung zeigt.69 17. [März] abends. Es ist noch immer herrliches Wetter. Wenns das nicht wäre, tät man so überschnap- pen. Aber heiß wars auch, richtig Frühling. Wir waren früh in d. Colonnagalerie, die wohl öde ist. Nachher im Vatikan, dessen Pinakothek wohl sehr bedeutend ist  – sogar für uns. Aber doch nicht genug, um seine Sorgen zu vergessen. Die Six tin[ische] Ka- pelle ist immer noch in ristauro. Man hat gar keinen Eindruck davon bekommen. Sie sah aus wie ein Stummel von einem Arm. Am späten Nachmittag waren wie am Pin- cio spazieren, bis d. Sonne unterging. Wir sahen hunderte von behaarten Raupen, die sich auf Häufchen begatteten u. dann in langen Schnüren sich fortbewegten, immer so 40, 50  – die einen langen Wurm bildeten. Abends wurden in d. Hertziana Photos angeschaut  …70 18. [März] (Heut abends ist unser Schicksal gerade eine Woche alt.) Wir waren in d. Cit, ha- ben Geld geholt u. d. Bahnkarte nach Neapel. Dann bei Doria, wo doch viele in- teressante Bilder für uns sind. Vor d. Bild d. Velazquez erklärte ein gebildeter Herr seiner Begleiterin : „Und dieser Papst Innocenz X., der so ein Bild sich hat malen lassen können u. solchen köstlichen Rahmen, sehn sie mal d. Rahmen  – als er starb, war kein Pfennig in d. Kasse !“ Um ½ 12 hatten wir uns bei Hermanin angesagt, er war aber so besetzt, daß wir in d. Museum hinaufgingen. Kurz darauf kam er uns nach, d. h. er zog an uns vorüber, eine ganze Gruppe hoher deutscher Militärs, in Braun u. Schwarz, mit Armbinde u. Ordensbrust, durch d. Museum führend  – ja- gend. Sturmschritt. Sogleich waren wir überholt ! Aber Hermanin hatte uns erspäht u. war  – kaum war die Führung erledigt, zu uns zurückgekommen. Er sprach herz-
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
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