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Tagebuch 1938/1
liche Worte der Teilnahme u. bot uns seine Hilfe an,
da wir doch noch 2 Monate im Lande blieben, sollten
wir uns seiner bedienen u. s. w. Inzwischen war es eins
geworden u. wir speisten auf d. Forum. Das Haus Via
del Campidoglio 5, in dem d. H[ans] 1903/4 wohnte,
steht noch immer, überhaupt ist d. Blick auf Rom
von dieser Stelle im Wesentlichen unverändert. Wir
saßen in d. Sonne, während so etwas wie ein Ge-
witter sich zusammenzog. Als wir dann Prof. Engel
besuchten, der gleich neben d. Forum wohnt u. eine
köstliche Terrasse auf d. Dach hat mit Ausblick auf d.
Palatin, da zerstreute es sich wieder. Die Frau war mir
sehr sympathisch. Er weniger. Prof. Brunner u. auch
d. Frau hatten ihnen sogleich nach d. Katastrophe
freundliche Worte d. Teilnahme geschrieben
…71
Wir haben oben die ersten Wiener Zeitungen
neuer Ära gesehen. Nicht einmal die Nachricht von
Feys Selbstmord steht drin. Abends gingen wir nur
kurz zu Anderson unsere bestellten Photos abholen.
Sonst nichts.
–72
19. [März] S. Guiseppe (Feiertag !)
Ich hab mir gestern abends auf d. Straße gedacht : Wenn ich ein Geldstück find, ist
das ein gutes Zeichen. Ich hab zuhause auf der Bettdecke 50 ct. gefunden ! Und heute
früh kam d. erste Nachricht von Burgel aus d. Schweiz. Und heute mittag eine Karte
von Stoffel aus Zürich. Wir waren über diese erlösenden Nachrichten ganz kopflos.
So eine Befreiung. Man kann wieder atmen. Der Tag verging darum sehr unkunsthis-
torisch. Nur in d. Borghesegalerie waren wir. Sonst sind wir in praller u. halber Sonne
im Garten gesessen u. haben Karten u. Briefe geschrieben, die sich meist um B[urgel]
bewegten. Bis zu Kati haben wir ihren tapferen Durchbruch gemeldet. Und natürlich
auch an Anderl in d. Osten. Also weltumspannend es hinausposaunt. Nach Wien an
d. Großmama eine getarnte Karte darüber
…73
Und dann sind wir – wie wir es seinerzeit gelobt hatten – richtig in den Perlen d.
Krone gewesen. Es hat uns sehr entspannt, obgleich d. Film einheitlich ins Italieni-
sche übersetzt, sicher sehr gelitten hat. Jetzt noch ein Schlafmittel u. morgen wollen
wir dann nach dieser Woche der Chocs u. Ängste ein neues Leben anfangen.74
20. [März]
Schon im Bett, Neapel, Albergo Jacheo (primitiv, aber anständig). Heut früh kam
d. angekündigte Brief von Stoffel aus Zürich, er ist etwas ausgeruht, aber im-
Abb. 62 : Heimwehrführer Major Emil Fey, um 1932.
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
- Title
- Erica Tietze-Conrat
- Subtitle
- Tagebücher
- Volume
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Editor
- Alexandra Caruso
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 346
- Category
- Biographien