Page - 263 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Image of the Page - 263 -
Text of the Page - 263 -
263
Tagebuch 1938/1
„[…] we feel inclined to accept Fröhlich-Bum’s attribution to Giorgione as an attractive
working hypothesis“ (Tietze/Tietze-Conrat 1944, Nr. 713, 174).
Am 12. Februar 1938 war es zu einem Treffen des österreichischen Bundeskanzlers
Schuschnigg mit Adolf Hitler auf dem Berghof in Berchtesgaden gekommen. Bei den Ge-
sprächen drohte Hitler mit dem Einmarsch der Wehrmacht, sollte das Verbot der NSDAP
nicht aufgehoben werden ; weiters forderte er die Aufnahme nationalsozialistischer Politiker
in die österreichische Regierung. Die Forderungen Hitlers wurden mit der Unterzeichnung
des sogenannten „Berchtesgadener Abkommens“ akzeptiert.
29 Josefine von Winter hatte sich nicht von ihren Dürer-Blättern getrennt. Die Situation än-
derte sich zwangsläufig, als der „Führer“ Adolf Hitler über seinen Museumsbeauftragten
Hans Posse persönlich Interesse an der Federzeichnung des Apostels Paulus aus der Samm-
lung Winter anmeldete : „Der F. wünscht, daß ich diese Zeichnung kaufe. Andererseits ist
der Preis von 40.000 RM unverschämt hoch. Ich weiß im Augenblick wirklich nicht[,]
was man da tun soll“, schrieb Posse am 12.11.1940 an den Leiter des Instituts für Denk-
malpflege in Wien, der den Wink zwischen den Zeilen verstand (Archiv des BDA Wien,
K 10, Posse-Korrespondenz, M 5, Hans Posse an Herbert Seiberl, 18.10.1940). Im Juni
1941 konnte Posse zufrieden konstatieren, die Zeichnung für lediglich 15.000 Reichsmark
„erworben“ zu haben (Archiv des BDA Wien, K 10, Posse-Korrespondenz, M 9, Dr. Reimer
an Herbert Seiberl, 6.1.1942). Josefine von Winter wurde 1942 ins KZ Theresienstadt de-
portiert, wo sie 1944 ums Leben kam. Dürers Zeichnung des Apostels Paulus gilt heute als
verschollen (zu Josefine Winter siehe auch Lillie 2003, 1.298–1.330 ; siehe auch TB 1923,
21.10., 31.12.) ; zum Schicksal der von Posse während des NS-Regimes zusammengetrage-
nen Grafiksammlung siehe Schwarz 2012.
Zur Sammlung Erzherzog Friedrich siehe TB 1925, 5.7.
Erica Tietze-Conrat, A Drawing by Paris Bordone – not Titian, in The Burlington Ma-
gazine for Connoisseurs, Vol. 72, Nr. 421, April 1938, 187, 189. „Wir haben vom Victoria
& Albert Museum eine sehr schöne Studie von zwei Blumen-haltenden nackten Armen
photographieren lassen, da sie uns Venedig-, ja Tiziankreis-, in erster Linie Paris Bordone-
verdächtig war, wie auf unserem Zettel eingetragen steht. Dort im Museum war sie als
Parmiggianino katalogisiert. Nun hat sich unsere Meinung bestätigt sie ist, d. h. der eine
der beiden Arme ist wirklich die Studie für ein Wiener Bild des Bordones ! Daß man eine
Gesamtkomposition fixieren kann, ist leicht, eventuell auch eine ganze Figur, eventuell auch
einen Kopf – aber nur einen Arm, das ist halt doch etwas Rares.“ (Brief vom 19.11.1937,
ETC an Andreas Tietze, Privatarchiv Filiz Tietze.)
„Jene von uns veröffentl[ichte] Tizianz[eichnung] (Silberman)“ – Tietze/Tietze-Conrat
1944, Nr. 1.948, 322 „New York E. & A. Silberman Galleries. Two Satyrs seated in a land-
scape“ ; Tietze 1936b, Abb. 7.
30 Werner Weisbach – 1933 Zwangspensionierung als Nichtarier, 1935 Emigration in die
Schweiz, „Privatgelehrter und, bis zum Kriegsbeginn, Reisen durch Europa, abgesichert
durch eigenes Vermögen. 1939 Gastvorträge am Courtauld Institute London“ (Werner
Weisbach, in Wendland, 1999b, 728).
back to the
book Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)"
Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
- Title
- Erica Tietze-Conrat
- Subtitle
- Tagebücher
- Volume
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Editor
- Alexandra Caruso
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 346
- Category
- Biographien